Wer auf der Fahrt durch das Salzachtal plötzlich den Blick hebt, sieht sie: die Burg Hohenwerfen, die auf einem Felsvorsprung über dem Tal thront, als hätte jemand sie dort hingestellt, um Reisende daran zu erinnern, dass Geschichte hier nicht im Museum beginnt, sondern im Freien, unter offenem Himmel. Das Marktgemeinde Werfen liegt rund 45 Kilometer südlich von Salzburg, eingebettet zwischen den Ausläufern des Tennengebirges und den Felsen des Hagengebirges – eine Lage, die dem Ort etwas Ernsthaftes, Konzentriertes gibt. Kein aufgeblasener Touristenort, sondern ein lebendiger Marktflecken, dessen Reize man sich erarbeiten muss. Der Ortskern ist überschaubar, aber charaktervoll: Alte Gasthäuser säumen die Hauptstraße, der Kirchturm der Pfarrkirche Werfen setzt einen ruhigen Akzent, und am frühen Morgen, wenn noch kaum Besucher unterwegs sind, riecht die Luft nach dem Salzachtal und frischem Brot aus der Bäckerei. Dann gehört der Ort für kurze Zeit nur den Einheimischen – und dem Rauschen des Flusses. Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal Werfens liegt jedoch in seiner unmittelbaren Umgebung. Die Eisriesenwelt, nur wenige Kilometer vom Ortszentrum entfernt, gilt als das größte zugängliche Höhlensystem der Welt: Über 40 Kilometer Gänge, geformt von Wind und Wasser, in denen Eis auch im Hochsommer bleibt und die Stille so vollständig ist, dass man den eigenen Atem hört. Der Aufstieg zur Höhle, per Seilbahn und dann zu Fuß, ist bereits ein Erlebnis für sich – mit Ausblicken ins Salzachtal, die man nicht so schnell vergisst. Die Burg Hohenwerfen wiederum ist keine Kulisse, sondern ein lebendiger Ort: Falknerei-Vorführungen, mittelalterliche Räume, ein Burgmuseum und ein Panoramablick, der bei klarem Wetter bis weit in die Salzburger Alpen reicht. Familien kommen hier auf ihre Kosten, aber auch alle, die verstehen wollen, wie Macht und Schutz im Mittelalter im Salzachtal aussahen. Werfen ist kein Ort, den man in Eile durchquert. Wer sich einen oder zwei Tage Zeit nimmt, entdeckt ein Salzburgerland, das jenseits der Stadtkulisse Salzburgs funktioniert – ruhiger, ursprünglicher und mit einer alpinen Dichte, die sich erst beim Wandern auf den Wegen rund um das Tennengebirge ganz erschließt.



