◆ STADT · GALICIEN
Ourense ist die einzige Stadt Galiciens, in der man mitten in der Altstadt barfuß ins dampfende Thermalwasser steigt. Die Römer nannten den Ort Aquae Originis und Aquis Aurensis, das Wasser von Gold, und ließen sich seinetwegen hier nieder. Bis heute sprudeln aus den Quellen von As Burgas täglich Millionen Liter mit über 60 Grad an die Oberfläche, während über der Ponte Romana noch immer Jakobspilger der Vía de la Plata in die Stadt einwandern. Wer Galicien sucht, ohne den atlantischen Nebel, findet hier das warme, gelassene Herz des Landesinneren.
Alles in Ourense beginnt unten, dort, wo das Wasser durch porösen Granit aus fast einem Kilometer Tiefe nach oben drängt. An As Burgas, im historischen Kern, treten zwei Quellen aus dem Fels: die Burga de Abaixo aus dem 19. Jahrhundert und die ältere Burga de Arriba aus dem 17. Jahrhundert. Sie blubbern hier ununterbrochen seit über zweitausend Jahren, und Archäologen haben unter dem Pflaster Reste eines Quellheiligtums aus dem ersten Jahrhundert sowie Votivsteine gefunden, die einer einheimischen Gottheit, Revve Anabaraego, gewidmet waren. Daneben liegt heute ein offenes Thermalbecken, frei zugänglich, in dem das auf knapp 40 Grad gekühlte Wasser dampft, während ringsum der Alltag der Stadt weitergeht.
Über der Brust der Altstadt thront die Kathedrale San Martiño, 1220 im gotischen Stil begonnen, und in ihrem Inneren verbirgt sich der Pórtico do Paraíso, eine farbig gefasste Antwort auf den berühmten Portico der Glorie in Santiago, mit Engeln, Heiligen und musizierenden Ältesten. Von hier aus winden sich die Gassen zu den lebendigen Plätzen: die arkadengesäumte Praza Maior, die schattige Praza do Ferro mit ihrem schmiedeeisernen Brunnen, die enge Praza do Trigo und der mittelalterliche Winkel Eironciño dos Cabaleiros. Über den Miño schwingt sich die Ponte Romana, im 13. Jahrhundert auf römischen Fundamenten neu gebaut und heute Fußgängern und Pilgern vorbehalten.
Doch Ourense lebt nicht nur von Steinen. Es ist eine Stadt der festen Rituale: An jedem 7. und 17. des Monats füllt sich das Campo da Feira mit Köchen, die in kupfernen Kesseln den berühmten pulpo á feira garen, jenen galicischen Oktopus, der ausgerechnet hier im Binnenland, fern der Küste, am besten gelingen soll, begleitet von einem frischen Ribeiro aus den Flusstälern ringsum. Im Frühling stellt die Stadt zu Os Maios kunstvolle Pflanzenfiguren auf, im Herbst riecht es beim Magosto nach gerösteten Kastanien. Und am Abend nimmt man die Tren das Termas hinaus an den Fluss, wo in Outariz, A Chavasqueira und Muíño das Veigas die Becken unter freiem Himmel dampfen.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Altstadt & Quellen
Ein Vormittag zwischen den Quellen von As Burgas und den Plätzen der Casco Vello: barfuß ins offene Thermalbecken, dann durch Praza do Ferro und Praza Maior hinauf zur Kathedrale San Martiño und ihrem polychromen Pórtico do Paraíso. Zum Schluss über die Ponte Romana ans andere Miño-Ufer.
Flussbäder am Abend
Am späten Nachmittag mit dem Thermenzug aus dem Zentrum hinaus zu den Naturbecken am Fluss: das japanisch inspirierte Outariz, die rustikalen Pools von A Chavasqueira und Muíño das Veigas, wo das Wasser zwischen 41 und über 60 Grad an die Oberfläche tritt. Baden unter Sternen, umgeben von Eichenwald.
Genuss & Ribeiro
Wer am 7. oder 17. da ist, beginnt am Campo da Feira beim Oktopuskoch und der Carne ao caldeiro. Danach lohnt der Ausflug in die Weintäler von Miño, Avia und Arnoia, wo der D.O. Ribeiro aus Treixadura und Godello gekeltert wird, eine der ältesten Weinregionen Spaniens.
03 · Wann
Ourense liegt rund 80 Kilometer von der Küste entfernt im wärmsten und sonnigsten Winkel Galiciens. Die Sommer können sehr heiß werden, im August 1990 wurden hier 42,5 Grad gemessen, während die Winter mild, oft grau und regnerisch ausfallen. Gerade dann aber entfalten die Thermalbäder ihren ganzen Reiz.
04 · Häufige Fragen
Ourense fördert täglich mehrere Millionen Liter Thermalwasser, einer der größten Quellaustritte Europas. Die Quellen von As Burgas mitten in der Altstadt sprudeln seit über zweitausend Jahren mit über 60 Grad, und entlang des Miño liegen mehrere natürliche und ausgebaute Bäder wie Outariz, A Chavasqueira und Muíño das Veigas.
Ja. Direkt neben den Quellen von As Burgas in der Altstadt gibt es ein frei zugängliches offenes Becken mit Umkleiden, und an den Ufern des Miño liegen rustikale Naturpools, die ebenfalls kostenlos sind. Daneben gibt es kostenpflichtige, komfortabler ausgebaute Anlagen wie Outariz.
Am bequemsten mit dem AVE-Hochgeschwindigkeitszug: Madrid ist über die Strecke Madrid–Galicien in unter vier Stunden erreichbar, mit Anschlüssen nach Santiago de Compostela und Vigo. Wer entlang des Camino Sanabrés (Vía de la Plata) pilgert, erreicht die Stadt zu Fuß über die Ponte Romana.
Vom Stadtzentrum verkehrt die Tren das Termas, ein touristischer Zug, der entlang des Miño zu den Flussbädern wie Outariz fährt. Die Quellen von As Burgas selbst liegen mitten in der Altstadt und sind bequem zu Fuß erreichbar.
Den pulpo á feira, galicischen Oktopus, der ausgerechnet hier im Binnenland als der beste der Region gilt, traditionell an den Markttagen am 7. und 17. des Monats am Campo da Feira frisch im Kupferkessel gegart. Dazu ein frischer Weißwein aus der D.O. Ribeiro, einer der ältesten Weinregionen Spaniens.
Mitte Mai bis Juni und September bis Mitte Oktober bieten angenehme Temperaturen ohne die teils extreme Sommerhitze. Wer vor allem die Thermalbäder sucht, reist im milden, regnerischen Winter, wenn das dampfende Wasser bei kühler Luft am eindrucksvollsten ist.
05 · In der Nähe
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