◆ STADT · KANTABRIEN
Comillas ist der einzige modernistische Ort Kantabriens — ein gehobener Küstenflecken, in dem aus Kuba heimgekehrte Indianos katalanische Stararchitekten in die grüne Bergküste pflanzten. Hier steht El Capricho, das Jugendwerk Antoni Gaudís mit dem sonnenblumengekachelten Turm, nur ein paar Schritte vom neugotischen Palacio de Sobrellano und der goldenen Blauflaggen-Bucht entfernt.
Die Geschichte von Comillas beginnt mit einem Vierzehnjährigen, der nach Kuba aufbrach. Antonio López y López, später erster Marqués de Comillas, kehrte als einer der reichsten Männer Spaniens zurück und tat, was die heimgekehrten 'Indianos' der kantabrischen Küste taten: Er investierte sein Vermögen in den Heimatort. Statt der ortsüblichen Steinmaurer holte López die katalanische Avantgarde an die Biskaya — Joan Martorell, Lluís Domènech i Montaner, den jungen Antoni Gaudí. So wurde aus einem Fischerdorf das einzige modernistische Ensemble Kantabriens, ein katalanisches Stadtbild, das hier zwischen Wiesenhängen und Atlantik wie versehentlich abgestellt wirkt.
Den Beweis liefert ein einziger Spaziergang. Auf dem Hügel thront der Palacio de Sobrellano, Martorells neugotischer Palast, daneben die Capilla-Panteón, 1881 in Anwesenheit von König Alfonso XII. geweiht und als Kathedrale im Kleinformat mit eigenem Chorumgang gedacht. Wenige Hundert Meter weiter ducht sich El Capricho ins Grün: Gaudís orientalistisches Frühwerk von 1883–85, gebaut für Máximo Díaz de Quijano, dessen Turm über und über mit gelben Sonnenblumen und grünen Blättern gekachelt ist — ein Sommerhaus wie eine Spieldose. Comillas war 1881 zudem einer der ersten Orte Spaniens mit elektrischem Edison-Licht und für einen einzigen Tag im August sogar Hauptstadt des Königreichs.
Doch der Ort ist mehr als ein Architekturmuseum unter freiem Himmel. Auf der Plaza del Corro Campíos plätschert die Fuente de los Tres Caños, oben am Friedhof reckt Josep Llimonas marmorner 'Ángel Exterminador' sein Schwert über die von Domènech i Montaner gestalteten Grabmäler, und unten am Hafen riecht es nach frischem Fang. Comillas trägt seine Noblesse leicht: Sommerresidenz des Adels einst, heute ein Küstenflecken mit Strand, Pintxo-Bars und dem grünen Rücken der Picos de Europa am Horizont.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Architektur
Ein halber Tag zu Fuß durch das katalanische Erbe der Indianos: El Capricho mit seinem Sonnenblumenturm und Wintergarten, hinüber zum Palacio de Sobrellano und in die Capilla-Panteón, hinauf zur monumentalen Universidad Pontificia über dem Ort.
Küste
Von der goldenen Stadtbucht mit Blauer Flagge die Küste entlang nach Oyambre: zwei Kilometer feiner Sand hinter Wanderdünen, smaragdgrünes Wasser und sanfte, beständige Wellen — ein Klassiker für Surfanfänger im geschützten Naturpark.
Genuss
Vom Fischerhafen über die Plaza del Corro: Anchoas de Cantabria, Cocido montañés und Meeresfrüchte in den Tavernen der Altstadt, dazu Sobaos und Quesada pasiega — und der Blick auf bunt geflaggte Boote, die im Juli den Cristo aufs Meer hinaustragen.
Umgebung
Comillas als Standort: das mittelalterliche Santillana del Mar, das maritime San Vicente de la Barquera und die Steilgipfel der Picos de Europa liegen alle in Tagesausflug-Nähe entlang der grünen Westküste Kantabriens.
03 · Wann
Comillas liegt am ozeanisch-feuchten Kantabrischen Meer: milde Sommer, sanfte Winter, Regen zu jeder Jahreszeit und viel sattes Grün. Wer Strand und Feste will, kommt im Hochsommer; wer Architektur und Ruhe sucht, in der Nebensaison.
04 · Häufige Fragen
Comillas ist der einzige modernistische Ort Kantabriens. Berühmt ist es vor allem für El Capricho, ein Frühwerk Antoni Gaudís mit sonnenblumengekacheltem Turm, sowie für den neugotischen Palacio de Sobrellano, die Capilla-Panteón und die monumentale Universidad Pontificia — alle gestiftet von aus Kuba heimgekehrten 'Indianos' rund um den ersten Marqués de Comillas.
Ja. El Capricho (1883–85) gehört zu Gaudís orientalistischer Frühphase und ist eines der wenigen seiner Bauwerke außerhalb Kataloniens. Der mit gelben Sonnenblumen gekachelte Turm, die verspielten Details und der kleine Garten machen es zu einem der eigenwilligsten Häuser Spaniens — und zum Höhepunkt jedes Comillas-Besuchs.
Comillas liegt rund 50 km westlich von Santander an der Costa Occidental Kantabriens. Mit dem Auto fährt man über die A-8 und die Küstenstraße CA-131 (gut eine halbe Stunde). Ohne Auto verbindet die Buslinie La Cantábrica Santander mehrmals täglich mit Comillas; nächster Flughafen ist Santander (SDR).
Im Ort liegt die Playa de Comillas, ein feiner Goldsandstrand mit Blauer Flagge und voller Infrastruktur. Vier Kilometer westlich beginnt die Playa de Oyambre im gleichnamigen Naturpark: zwei Kilometer Sand hinter Wanderdünen, smaragdgrünes Wasser und sanfte Wellen, beliebt bei Surfanfängern.
Für Strand und Feste sind Juni bis September am besten, mit milden 20–25 °C und der großen Seeprozession des Santo Cristo del Amparo Mitte Juli. Wer Architektur und Ruhe bevorzugt, reist im Mai oder Oktober — dann ist es leerer, das Grün am schönsten und die Tavernen entspannter. Regen ist hier ganzjährig möglich.
Typisch sind die Anchoas de Cantabria (handgesalzene Sardellen), der deftige Cocido montañés mit weißen Bohnen, Kohl und Wurst sowie frische Meeresfrüchte aus dem Hafen. Als Süßes gehören Sobaos und die Quesada pasiega aus Frischkäse dazu — am besten in einer Taverne rund um die Plaza del Corro.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Comillas.
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