Wer Scilla kennt, denkt zuerst an Chianalea, die Fischer auf ihren Booten, und an die Silhouette des Castello Ruffo hoch über dem Tyrrhenischen Meer. Doch San Giorgio erzählt eine andere Geschichte – die des gewöhnlichen Lebens in einem süditalienischen Küstenort, der sich nicht für Postkarten inszeniert, sondern einfach ist, wie er ist.
Das Viertel liegt oberhalb der Küstenzone und erstreckt sich entlang der Hänge, die Scilla landeinwärts rahmen. Hier stehen keine Souvenirläden, sondern Bäckereien, in denen morgens das Brot noch warm aus dem Ofen kommt. Die Gassen sind enger, die Balkone mit Wäsche behängt, die Stimmen der Nachbarn klingen von Hauswand zu Hauswand. San Giorgio hat den Charakter eines Viertels, das seinen Bewohnern gehört – und genau das macht es für Reisende interessant, die mehr wollen als Strandpanorama.
Die Kirche San Giorgio, nach der das Viertel benannt ist, bildet den architektonischen und sozialen Mittelpunkt. Vor allem an Sonntagen versammeln sich hier die Einwohner, die Piazza davor füllt sich mit Gesprächen, Kindern und dem Duft von frisch gebrühtem Caffè aus den nahe gelegenen Bars. Es ist dieser Rhythmus – träge unter der Mittagssonne, lebhaft am frühen Abend –, der San Giorgio seinen unverwechselbaren Ton gibt.
Für Wanderfreunde bietet das Viertel einen natürlichen Ausgangspunkt: Von hier aus lassen sich die Hügel oberhalb Scillas erkunden, mit Blicken, die bei klarem Wetter bis zur sizilianischen Küste reichen. Wer die Meerenge von Messina aus der Vogelperspektive sehen möchte, findet in San Giorgio die ruhigsten Wege dorthin. Die Nähe zum Ortskern bedeutet, dass man zu Fuß in wenigen Minuten sowohl den Strand von Marina Grande als auch die engen Gassen von Chianalea erreicht – San Giorgio verbindet also das Beste beider Welten, ohne selbst im Trubel zu stehen.
Übernachten in San Giorgio bedeutet: früh aufwachen, wenn die Fischer bereits zurück sind, und abends den Sonnenuntergang über dem Meer von einem Aussichtspunkt genießen, den die meisten Tagestouristen nie finden.

Castello Ruffo di Scilla
Die Festung auf dem Felssporn über der Straße von Messina – Wahrzeichen Scillas mit weitem Panorama.