Bastia trägt sein Gesicht offen. Die alte genuesische Hafenstadt im Nordosten Korsikas staffelt sich über dem Meer, und wer vom Fährhafen kommt, sieht zuerst die ockerfarbenen, von Patina überzogenen Fassaden von Terra Vecchia, die sich um das enge Becken des Vieux Port drängen. Hier liegen die Fischerboote dicht an dicht, dahinter steigen die Gassen steil an, Wäsche hängt zwischen den Häusern, und aus den Cafés am Wasser riecht es nach Espresso und gegrilltem Fisch. Es ist ein Korsika, das sich nicht herausputzt, sondern einfach ist.
Über dem Hafen thront die wuchtige Zitadelle von Terra Nova mit dem Palast der genuesischen Gouverneure, dem Palais des Gouverneurs, in dem heute das Stadtmuseum die Geschichte der Insel erzählt. Von den Wällen blickt man hinab auf das Meer und die Dächer der Altstadt. In Terra Vecchia überrascht die Église Saint-Jean-Baptiste mit ihren beiden Glockentürmen, die größte Kirche Korsikas, deren barockes Inneres in Gold und Marmor schimmert. Auch die Oratorien der Bruderschaften, die Chapelle de l'Immaculée Conception und Sainte-Croix, zeugen vom ligurischen Erbe und vom Reichtum der Seefahrerstadt.
Das Herz des öffentlichen Lebens schlägt auf der Place Saint-Nicolas, einem der größten Plätze Frankreichs. Unter den Platanen sitzt man, trinkt seinen Kaffee und schaut auf die Fähren, die nach Italien und aufs Festland ablegen. Samstags füllt sich der Platz mit einem Markt, auf dem korsischer Käse wie Brocciu, Charcuterie aus dem Bergland und Honig angeboten werden. Bastia ist Hauptstadt von Haute-Corse und zugleich der natürliche Ausgangspunkt für das Cap Corse, jene schmale, gebirgige Halbinsel im Norden, deren Küstenstraße an alten Genueser-Türmen, Fischerdörfern wie Erbalunga und versteckten Buchten vorbeiführt. Wer Korsika abseits der Strandprospekte erleben will, fängt am besten hier an.