Kaum eine andere Bergbahn der Alpen verbindet eine Großstadt so unmittelbar mit dem Hochgebirge wie die Innsbrucker Nordkettenbahnen. Der Weg beginnt mitten in der Altstadt: An der Talstation Congress, die der Stararchitekt Zaha Hadid 2007 als fließende Eisschale aus Stahl und Glas entworfen hat, steigt man in die erste Gondel. Schon hier, noch bevor sich die Kabine in Bewegung setzt, spürt man den Kontrast — unter einem die Dächer der Maria-Theresien-Straße, über einem die Felswände der Nordkette. Die Fahrt führt in zwei Etappen hinauf. Zunächst geht es zur Mittelstation Hungerburg auf 860 Metern, wo sich der erste große Blick über das Inntal öffnet. Wer sich Zeit lässt, erkennt von hier aus das Goldene Dachl in der Altstadt und den charakteristischen Turm der Hofkirche. Weiter oben, an der Station Seegrube auf 1.905 Metern, ändert sich die Welt spürbar: Die Luft wird kühler, die Vegetation lichter, und an klaren Tagen reicht der Blick bis weit in die Stubaier Alpen. Der letzte Abschnitt zur Endstation Hafelekar auf 2.256 Metern ist der steilste — die Kabine zieht sich fast senkrecht über die Kalkfelsbänder, und wer aus dem Fenster schaut, blickt direkt auf Innsbruck hinunter, das in der Tiefe des Tals liegt wie ein Modell. Oben angekommen eröffnet sich ein Panorama, das die gesamte Nordalpenkette vom Karwendel bis zu den Zillertaler Alpen umfasst. Auf dem Gipfelplateau gibt es markierte Wanderwege unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade — von kurzen Aussichtsrunden direkt ab der Station bis hin zu anspruchsvollen Klettersteigen für Geübte. Das Bergrestaurant Seegrube ist ein guter Ort, um bei einem Tiroler Gröstl oder einem Stück Apfelstrudel die Höhe zu genießen, bevor es wieder hinunter geht. Die Nordkettenbahnen sind das ganze Jahr über in Betrieb und bieten je nach Saison völlig unterschiedliche Erlebnisse: Im Winter verwandelt sich das Gebiet rund um Seegrube in ein Skigebiet direkt über der Stadt, im Sommer laden Alpenblumenwiesen und Steinbockkolonien zum Verweilen ein. Für Kulturinteressierte lohnt sich der Blick auf die Stationsarchitektur von Zaha Hadid als eigenständiges Erlebnis — die drei Stationen Löwenhaus, Hungerburg und Seegrube gelten als Gesamtkunstwerk der zeitgenössischen Architektur.
Eine Gondelfahrt, die in der Altstadt beginnt und auf einem Kalkgipfel endet: Die Nordkettenbahnen verbinden Innsbruck auf einzigartige Weise mit dem Karwendel. Architektur von Weltrang, ein Panorama über das gesamte Inntal und alpine Natur direkt vor der Haustür — das ist kein gewöhnlicher Bergausflug.
