
◆ STADT · VALENCIANISCHE GEMEINSCHAFT
Valencia ist die dritte Stadt Spaniens und doch die gelassenste – eine Mittelmeerstadt, die ihren Fluss in einen acht Kilometer langen Garten verwandelt, ihre gotische Seidenbörse neben einen Jugendstil-Markt gestellt und die Paella als Welterbe in der eigenen Pfanne erfunden hat. Zwischen dem Orangenduft der Huerta, den weißen Betonsegeln Calatravas und dem Knall der Mascletà liegt eine Stadt, die nichts beweisen muss.

In der Nacht des 14. Oktober 1957 trat der Turia über die Ufer und überflutete drei Viertel der Stadt; über achtzig Menschen starben. Die Konsequenz war radikal: Man leitete den Fluss südlich um die Stadt herum. Was blieb, war ein leeres Flussbett mitten durch Valencia – und der Plan, eine Stadtautobahn hineinzubetonieren. Doch die Valencianer wehrten sich unter dem Ruf »El llit del Túria és nostre i el volem verd« – das Flussbett gehört uns, und wir wollen es grün. 1976 gab die Regierung nach. Heute schlängelt sich der Jardí del Túria fast neun Kilometer durch die Stadt: Palmen, Orangenbäume, Laufstrecken, der riesige Gulliver-Spielplatz und am östlichen Ende die futuristischen Bauten der Ciudad de las Artes y las Ciencias. Kein Stadtpark Europas erzählt so direkt von Trotz.
Die Altstadt darunter ist mittelalterlich dicht. In der Catedral, errichtet auf einer ehemaligen Moschee, hütet die Capilla del Santo Cáliz einen Achatkelch aus dem 1. Jahrhundert, den der Vatikan als möglichen Heiligen Gral anerkennt – Valencias stille, ungewöhnlich glaubwürdige Grals-Behauptung. Wer die 207 Stufen des Miguelete erklimmt, sieht die Ziegeldächer von El Carmen, das gotische Meisterwerk der Llotja de la Seda, das die UNESCO als Welterbe führt, und gegenüber den Mercado Central, eine Jugendstil-Halle aus Eisen und Buntglas, in der täglich Aal aus der Albufera, Garnelen und Bergkäse über die Theken gehen.
Und dann das Essen, das hier kein Klischee ist, sondern Identität. Die echte Paella Valenciana entstand im 15. Jahrhundert in den Reisfeldern der Albufera – mit Huhn, Kaninchen, Schnecken, der flachen Ferradura-Bohne und dem dicken Garrofó, niemals mit Chorizo. Ein Drittel des spanischen Reises wächst noch immer im Naturpark südlich der Stadt. Dazu Horchata de Chufa, die kühle Erdmandelmilch, deren Wurzeln bis in die maurische Zeit reichen, getrunken mit den länglichen Fartons im Vorort Alboraya. Wer abends in Ruzafa sitzt, bestellt Agua de Valencia, den Cava-Orangen-Cocktail, der in den Fünfzigern im Café Madrid erfunden wurde. Valencia schmeckt man, bevor man es versteht.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel







· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Altstadt & Welterbe
Von der Catedral mit dem Santo Cáliz über den Miguelete-Aufstieg zur Plaça de la Mare de Déu, weiter zur Llotja de la Seda und in die gusseiserne Halle des Mercado Central. Mittags Tapas an den Marktständen, dann durch die bemalten Gassen von El Carmen bis zu den Torres de Serranos.
Architektur & Zukunft
Durch den Jardí del Túria zur Ciudad de las Artes y las Ciencias: das augenförmige Hemisfèric, das Wissenschaftsmuseum, der Umbracle-Wandelgang und das Oceanogràfic, das größte Aquarium Europas. Abends spiegelt sich das Palau de les Arts in den blauen Becken.
Meer & Strandviertel
Mit der Straßenbahn ins ehemalige Fischerviertel El Cabanyal mit seinen keramikverzierten Fassaden, hinaus an die Malvarrosa und Las Arenas. Mittags eine echte Paella oder Arròs a banda an der Strandpromenade, wo schon Sorolla das Licht malte.
Natur & Gaumen
Südlich der Stadt der Naturpark Albufera: Bootsfahrt über die Lagune, ein Drittel des spanischen Reises wächst hier. Im Dorf El Palmar eine traditionelle Paella, danach der Sonnenuntergang über dem Wasser. Zurück in der Stadt Horchata mit Fartons in Alboraya.
03 · Wann
Valencias mediterranes Klima ist mild und sonnenverwöhnt; selbst im Winter klettert das Thermometer oft auf 18 bis 20 Grad. Heiß wird es erst im Hochsommer. Wer Stadt und Kultur sucht, kommt im Frühling oder Herbst – Strandurlauber im Sommer.
04 · Häufige Fragen
April bis Mai und September bis Oktober gelten als ideal: warmes, mildes Wetter, badbares Meer im Frühherbst und deutlich weniger Andrang als im Hochsommer. Für reinen Strandurlaub sind Juni bis August am besten, dann wird es aber mit 30 bis 32 Grad spürbar heiß. Der Winter bleibt mild und ist perfekt für Altstadt und Museen.
Der Flughafen Manises liegt nur etwa 8 km westlich des Zentrums. Am einfachsten sind die Metrolinien L3 und L5, die in rund 25 Minuten bis zur zentralen Station Xàtiva fahren. Alternativ verbindet die EMT-Buslinie 150 Flughafen und Innenstadt günstiger, dauert aber länger. Ein Taxi kostet je nach Ziel etwa 15 bis 30 Euro.
Die ursprüngliche Paella Valenciana stammt aus den Reisfeldern der Albufera und enthält Huhn, Kaninchen, manchmal Schnecken, die flache Ferradura-Bohne und den dicken Garrofó, dazu Reis, Safran und Olivenöl. Chorizo gehört ausdrücklich nicht hinein. Authentisch isst man sie mittags, gern im Dorf El Palmar an der Albufera oder an der Strandpromenade.
Ja, besonders für Architekturfans und Familien. Der Komplex von Santiago Calatrava am Ende des Turia-Parks umfasst das augenförmige Kino Hemisfèric, ein interaktives Wissenschaftsmuseum, den Umbracle-Wandelgang und das Oceanogràfic – das größte Aquarium Europas mit rund 45.000 Tieren. Schon der Spaziergang zwischen den weißen Betonbauten und blauen Becken ist beeindruckend.
El Carmen ist das mittelalterliche Altstadtherz mit Street-Art, Plätzen und Nachtleben. Ruzafa gilt als hippes Viertel mit Galerien, Cafés und Cocktailbars. El Cabanyal, das ehemalige Fischerviertel mit keramikverzierten Häusern, liegt direkt am Strand und erlebt eine Renaissance. Für Strandtage erreicht man Malvarrosa und Las Arenas bequem mit der Straßenbahn.
Die Fallas sind Valencias berühmtestes Fest, vom 1. bis 19. März, mit Höhepunkt zwischen dem 15. und 19. März. Stadtviertel bauen riesige, satirische Pappfiguren (Ninots), die am letzten Abend in der Cremà verbrannt werden. Täglich um 14 Uhr knallt auf der Plaça de l'Ajuntament die Mascletà, ein rhythmisches Pulver-Spektakel, das man eher im Bauch spürt als hört.
05 · In der Nähe
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