Wer von der Donau aus auf Melk zufährt, sieht es schon von Weitem: das Benediktinerstift Melk thront auf einem Felsvorsprung über dem Fluss, die barocken Türme spiegeln sich im Wasser, und die ganze Szenerie wirkt so unwirklich imposant, dass man unwillkürlich das Tempo drosselt. Dieses erste Bild prägt den Besuch – und es hält, was es verspricht. Melk ist eine der eindrucksvollsten Kleinstädte Österreichs, nicht trotz seiner Kompaktheit, sondern genau deswegen. Das Stift Melk, gegründet im 11. Jahrhundert und im 18. Jahrhundert zu einem der bedeutendsten Barockbauwerke Mitteleuropas umgestaltet, ist der unbestrittene Mittelpunkt des Ortes. Die Stiftsbibliothek mit ihren rund 100.000 Bänden, die vergoldete Stiftskirche und der Blick vom Terrassengarten auf die Donau und die Wachau – das alles braucht Zeit und Ruhe, um es wirklich aufzunehmen. Wer morgens früh kommt, bevor die Reisegruppen eintreffen, erlebt die Säle in einer fast meditativen Stille. Unterhalb des Stifts erstreckt sich die Altstadt mit ihren gepflasterten Gassen, dem Rathausplatz und den bürgerlichen Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Die Linzer Straße verbindet den Stiftseingang mit dem Stadtplatz, wo sich Cafés und Gasthäuser um einen der schönsten Marktplätze Niederösterreichs gruppieren. Hier spielt sich das tägliche Leben ab: Einheimische beim Einkauf, Radfahrer des Donauradwegs, die eine Pause einlegen, und Besucher, die beim Strudel im Café Schubert innehalten. Melk liegt am westlichen Eingang zur Wachau, dem UNESCO-Weltkulturerbe-Tal zwischen Melk und Krems. Das macht die Stadt zum idealen Ausgangspunkt für Radtouren entlang der Donau, für Weinverkostungen in den Heurigen der umliegenden Winzerdörfer und für Ausflüge nach Dürnstein oder Spitz. Der Donauradweg führt direkt durch die Stadt, und viele Radfahrer verbringen hier ihren ersten oder letzten Abend einer mehrtägigen Tour. Wer bleibt, entdeckt, dass Melk mehr ist als eine Stiftspause zwischen zwei Etappen.



