
◆ STADT · KAMPANIEN
Capri ist nur zehn Quadratkilometer groß und doch ein Mythos: Schon die römischen Kaiser Augustus und Tiberius residierten auf der Felseninsel im Golf von Neapel, später kamen Schriftsteller, Maler und der Jetset der Nachkriegsjahre. Zwischen der Piazzetta mit ihren Caféterrassen, den Faraglioni vor der Südküste und dem stilleren Anacapri hoch am Monte Solaro entfaltet sich eine Insel, die beides kann: mondänes Schaulaufen auf der Via Camerelle und einsame Pfade über Kalksteinklippen, auf denen nur Möwen und Zikaden zu hören sind. Wer über Nacht bleibt, erlebt das eigentliche Capri – wenn die letzten Tagesgäste mit der Fähre verschwinden und die Gassen wieder den Bewohnern gehören.

Capri war schon Sehnsuchtsort, als das Reisen noch Herrschern vorbehalten war. Kaiser Augustus tauschte die Insel gegen das größere Ischia ein – so sehr hatte es ihm der Felsen im Golf von Neapel angetan. Sein Nachfolger Tiberius verlegte 27 n. Chr. gleich den Regierungssitz des Römischen Reichs hierher und ließ zwölf Villen errichten; die größte, die Villa Jovis, klebt bis heute als weitläufiges Ruinenfeld am Nordostkap der Insel, hoch über dem Meer.
Nach Jahrhunderten der Stille kam die Welt 1826 zurück: Der deutsche Dichter August Kopisch machte die Blaue Grotte bekannt, deren leuchtendes Wasser zur Ikone der Romantik wurde. Es folgten Maler, Aussteiger und Exzentriker – der schwedische Arzt Axel Munthe baute in Anacapri seine Villa San Michele, der Industrielle Friedrich Alfred Krupp ließ die kühnen Serpentinen der Via Krupp in den Fels schlagen, und Curzio Malaparte setzte sich mit der Casa Malaparte ein rotes Manifest auf die Klippen der Punta Massullo. In den 1950er- und 60er-Jahren machte der Jetset die Piazzetta zum Laufsteg – und die Capri-Hose trat von hier ihren Weg um die Welt an.
Heute teilt sich die Insel in zwei Gemeinden, die sich seit jeher freundlich beäugen: das mondäne Capri rund um die Piazzetta und das ländlichere Anacapri hoch am Monte Solaro. Tagsüber schieben sich Fährgäste durch die Gassen, doch das eigentliche Capri beginnt am späten Nachmittag, wenn die letzten Boote ablegen – dann gehören die Via Tragara zur blauen Stunde, das Zirpen der Zikaden und der Blick auf die Faraglioni wieder denen, die bleiben. travelperfect empfiehlt deshalb mindestens zwei Nächte: eine für das elegante Capri, eine für das stille Anacapri.
01 · Auf einen Blick
· Inselorte




· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Klassiker zum Auftakt
Der erste Tag gehört Capri-Stadt: Mit der Funicolare von Marina Grande hinauf zur Piazzetta, einen Espresso unter dem Uhrturm, dann durch die Boutiquengasse Via Camerelle zur Certosa di San Giacomo und in die Gärten des Augustus, wo sich der Doppelblick auf Faraglioni und Via Krupp öffnet. Zum Abschluss die Via Tragara bis zum Belvedere – Capris schönster Spazierweg im Ortsgebiet.
Das Meer von unten
Erst vom Wasser zeigt die Insel ihr ganzes Drama: Die Inselumrundung ab Marina Grande passiert die Weiße und die Grüne Grotte, den Leuchtturm von Punta Carena und steuert durch den Bogen des mittleren Faraglione. Bei ruhiger See lohnt der Stopp an der Blauen Grotte, in die Ruderboote durch einen kaum meterhohen Spalt gleiten – vormittags leuchtet das Blau am intensivsten.
Das stille Capri
Hoch über dem Trubel liegt die zweite Gemeinde der Insel: weiße Gassen, Sandalenmacher und Axel Munthes Villa San Michele mit ihrer Sphinx über dem Golf. Der nostalgische Einersessellift schwebt ab der Piazza Vittoria auf den Monte Solaro, mit 589 Metern der höchste Punkt Capris – unten warten die Kirche San Michele mit ihrem Majolika-Boden und abends der Sonnenuntergang am Leuchtturm Punta Carena.
Wandern über den Klippen
Capri ist eine Wanderinsel im Taschenformat: Der Pizzolungo führt vom Arco Naturale über die Grotta di Matermania zur Punta Tragara und gibt unterwegs den einzigen öffentlichen Blick auf die Casa Malaparte frei. An der Westküste verbindet der Sentiero dei Fortini napoleonische Festungstürmchen zwischen Blauer Grotte und Punta Carena – Macchia, Felsbuchten und viel Stille inklusive.
03 · Wann
Capri ist eine Drei-Jahreszeiten-Insel: Von Ostern bis Allerheiligen läuft die Saison auf vollen Touren, im Winter ruht das Inselleben fast vollständig – viele Hotels und Restaurants schließen von November bis März. Die feinste Zeit sind die Ränder der Saison, wenn das Licht weich wird und die Wege über die Klippen fast leer sind.
04 · Häufige Fragen
Capri hat keinen Flughafen – die Insel ist nur per Schiff erreichbar. Fähren und schnellere Tragflügelboote (Aliscafi) legen in Neapel am Molo Beverello und in Sorrent ab; die Überfahrt dauert je nach Verbindung etwa 20 bis 80 Minuten. Im Sommer kommen saisonale Verbindungen von Positano, Amalfi und Ischia hinzu. Angekommen wird immer in Marina Grande, von wo Funicolare, Busse und Taxis weiterführen.
Ein Tagesausflug reicht für Piazzetta, Gärten des Augustus und eine Bootstour – mehr aber nicht. Wer die Insel wirklich erleben will, bleibt zwei bis drei Nächte: Dann bleiben Zeit für Anacapri und den Monte Solaro, eine Wanderung über den Pizzolungo und vor allem die Abende, wenn die Tagesgäste fort sind und Capri sich selbst gehört.
Die Grotte ist nur bei ruhiger See und niedrigem Wellengang geöffnet – bei Wind oder Schwell bleibt der Zugang gesperrt, auch kurzfristig. Am intensivsten leuchtet das Blau am Vormittag bei hohem Sonnenstand. Am besten erreichst du sie per Boot ab Marina Grande oder mit dem Bus ab Anacapri; vor den Ruderbooten, die in die Grotte gleiten, bilden sich im Hochsommer Wartezeiten.
Capri gehört zu den teuersten Reisezielen Italiens – vor allem in Capri-Stadt rund um Piazzetta und Via Camerelle. Es geht aber auch moderater: Anacapri ist spürbar günstiger, einfache Trattorien abseits der Hauptachsen servieren ehrliche Küche zu fairen Preisen, und die schönsten Erlebnisse der Insel – Pizzolungo, Sentiero dei Fortini, der Blick von der Punta Tragara – kosten nichts.
Capri-Stadt ist mondän, zentral und abends am lebendigsten – ideal für den ersten Besuch und kurze Aufenthalte. Anacapri liegt höher, ist ruhiger und ländlicher, mit eigenen Highlights wie Villa San Michele und Monte Solaro; die Wege zu Piazzetta und Marina Grande sind per Minibus aber etwas länger. Wer beides will, kombiniert: erst elegant unten, dann still oben.
Ja – mit der richtigen Taktik. Im Juli und August fluten zwischen Vormittag und spätem Nachmittag Tagesgäste die Insel; wer übernachtet, dreht den Rhythmus um: früh morgens zur Villa Jovis oder zum Arco Naturale, mittags ins Wasser eines Beach Clubs, und ab 18 Uhr gehören Piazzetta und Via Tragara wieder den Inselgästen.
05 · In der Nähe
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