Wer mit der Fähre von Neapel oder Sorrent ankommt, betritt Capri durch die Kulisse von Marina Grande: bunte Fischerboote, die im türkisblauen Wasser schaukeln, Berge von Gepäck auf dem Kai und das Gewusel von Ankommenden und Abreisenden – hier beginnt die Insel, bevor die Seilbahn einen in die Stille des Piazzetta-Lebens entführt. Dieser erste Eindruck täuscht aber nicht darüber hinweg, dass Marina Grande weit mehr ist als ein Durchgangsort.
Das Viertel erstreckt sich entlang des einzigen echten Sandstrands der Insel, dem Spiaggia di Marina Grande, wo sich Einheimische und Besucher gleichermaßen auf Liegestühlen und freien Abschnitten tummeln. Dahinter staffeln sich pastellfarbene Häuser den Felsen hinauf, unterbrochen von kleinen Treppengassen, die zum Dorf Capri führen. Das Flair ist rauer und echter als oben auf dem Plateau: Fischer reparieren ihre Netze, Motorboote legen für Ausflüge zur Grotta Azzurra ab, und auf der Hafenpromenade drängen sich kleine Trattorien Schulter an Schulter.
Für Reisende, die Capri jenseits der Luxusboutiquen der Via Camerelle erleben möchten, ist Marina Grande eine lohnende Basis. Die Hotels hier sind oft günstiger als im Ortskern, und man hat das Wasser buchstäblich vor der Tür. Früh morgens, wenn die Tagestouristen noch nicht von den Fähren strömen, gehört der Hafen den Fischern und den Möwen – eine Stimmung, die an das alte Capri erinnert, das Schriftsteller wie Axel Munthe und Rainer Maria Rilke einst anzog.
Die Sehenswürdigkeiten von Marina Grande sind weniger monumental als atmosphärisch: die alten Bootshäuser am Westende des Hafens, die römischen Überreste der Villa Jovis, zu der man von hier aus aufsteigen kann, und der Blick auf den Faraglioni, der sich vom Wasser aus besonders eindrücklich zeigt. Wer ausgehen möchte, findet in Marina Grande unkomplizierte Bars und Restaurants mit Meeresfrüchten direkt vom Boot – ohne die Preisaufschläge der Piazzetta.

J.K. Place Capri
Fünf-Sterne-Boutique-Hotel auf halber Höhe zwischen Hafen und Capri-Stadt mit rund zwei Dutzend Zimmern und Interieurs von Michele Bönan.