Wer früh morgens in Sölden aufbricht und den Blick nach oben richtet, sieht die Gipfel der Ötztaler Alpen noch im Schatten liegen. Genau dann beginnt die Wanderung zum Gaislachsee ihr stilles Versprechen einzulösen. Der Weg führt aus dem Ortszentrum Söldens hinauf in eine Höhenwelt, in der das Dorf schnell kleiner wird und die Stille größer. Schritt für Schritt gewinnt man an Höhe, passiert alpine Wiesen, auf denen im Sommer Enzian und Almrosen blühen, und taucht in eine Landschaft ein, die nichts mit dem Rummel der Wintersaison zu tun hat. Der Gaislachsee liegt auf rund 2.320 Metern Seehöhe unterhalb des markanten Gaislachkogels, einem der bekanntesten Gipfel des Ötztal-Skigebiets. Im Sommer verwandelt sich dieser Hang in ein ruhiges Wanderrevier. Das Wasser des Sees spiegelt bei gutem Wetter die umliegenden Felswände und den Himmel, die Oberfläche ist klar und kalt — ein Anblick, der sich in keinem Prospektfoto wirklich einfangen lässt. Rund um das Ufer bieten sich natürliche Rastplätze an, und wer Glück hat, beobachtet Murmeltiere, die sich kaum stören lassen. Der Aufstieg selbst ist gut markiert und führt über gesicherte Bergwege, die auch für geübte Familien mit älteren Kindern machbar sind. Die Gesamtstrecke beträgt je nach gewählter Route zwischen 8 und 12 Kilometer, der Höhenunterschied liegt bei etwa 600 bis 800 Höhenmetern. Wer möchte, kann den Aufstieg mit der Gaislachkogelbahn kombinieren und einen Teil der Strecke bequem zurücklegen — das macht die Tour auch für weniger trainierte Wanderer zugänglich. Für Ausdauersportler bietet sich dagegen der vollständige Aufstieg zu Fuß an, der je nach Tempo zwischen drei und vier Stunden in Anspruch nimmt. Oben angekommen belohnt der Blick über das Ötztal, auf die Rettenbachferner und die umliegenden Dreitausender für jede Anstrengung. Wer die Tour plant, sollte eine frühe Startzeit wählen: Nachmittags bauen sich in den Ötztaler Alpen häufig Gewitterzellen auf, und der Abstieg bei aufziehendem Gewitter ist auf exponierten Abschnitten kein Vergnügen. Mit einem frühen Aufbruch um 7 oder 8 Uhr ist man zur besten Tageszeit am See und hat den Abstieg entspannt hinter sich, bevor die Wolken sich türmen.
Die Wanderung zum Gaislachsee führt aus Sölden hinauf auf 2.320 Meter in die stille Bergwelt der Ötztaler Alpen. Klares Seewasser, weite Gipfelblicke und alpine Natur pur — diese Tour verbindet Ausdauer mit echtem Naturerlebnis, weit abseits des Winterrummels.
