Die schönsten Sehenswürdigkeiten der Nordägäis
Die großen Höhepunkte der Nordägäis liegen selten am Strand, sondern in den Bergdörfern, Klöstern und Vulkanlandschaften – man erwandert und erfährt sie eher, als dass man sie fotografiert.
Fang auf Chios an, denn die Mastixdörfer im Süden sind das Ungewöhnlichste, was die Nordägäis zu bieten hat. Pyrgi trägt seine Fassaden voller schwarz-weißer Xysta-Muster, geometrischer Kratzputz, wie ihn keine andere griechische Insel kennt. Mesta und Olympi wurden im Mittelalter als geschlossene Wehrdörfer angelegt, mit Häusern, deren Rückwände die Außenmauer bilden, und Gassen, die absichtlich in die Irre führen. Dazu das UNESCO-Kloster Nea Moni aus dem 11. Jahrhundert, dessen goldgründige Mosaiken zu den bedeutendsten byzantinischen Bildwerken Griechenlands zählen, und das Geisterdorf Anavatos, das wie ein Adlerhorst am Fels klebt.
Auf Lesbos ist der versteinerte Wald von Sigri das Wahrzeichen: Vor rund 20 Millionen Jahren begrub ein Vulkanausbruch einen ganzen Wald, dessen Stämme heute als bunter Stein in der kargen Westlandschaft liegen – ein UNESCO Global Geopark mit eigenem Naturkundemuseum. Der Kastro-Ort Molyvos mit seiner genuesischen Burg über den Dächern gehört zu den stimmungsvollsten Orten der ganzen Ägäis, und die Salinen von Kalloni ziehen im Frühjahr Flamingos und Vogelbeobachter aus halb Europa an. Wer den Ouzo mag, fährt nach Plomari, wo die bekanntesten Brennereien Griechenlands sitzen und Führungen anbieten.
Samos punktet mit antiker Substanz: Das Heraion, das Heiligtum der Göttin Hera, und der Eupalinos-Tunnel von Pythagorion – ein 1036 Meter langer Wasserstollen, den die Antike von beiden Seiten gleichzeitig durch den Berg trieb – stehen gemeinsam auf der UNESCO-Liste. Pythagorion selbst, benannt nach dem hier geborenen Mathematiker, ist ein lebendiger Hafenort über antiken Fundamenten. Samothraki wiederum birgt das Heiligtum der Großen Götter, jene Kultstätte, in der 1863 die Nike von Samothrake gefunden wurde, die heute im Louvre die Treppe krönt – vor Ort steht man zwischen Säulenstümpfen im Grün und ahnt die Dimension.
Ikaria spart sich klassische Sehenswürdigkeiten und macht die Lebensweise selbst zur Attraktion: die nächtlichen Panigiria, die radioaktiven Thermalquellen von Therma, die zu den stärksten der Welt zählen, und der wilde Strand von Nas mit den Resten eines Artemis-Tempels über der Flussmündung. Thassos schließlich überrascht mit der antiken Agora und dem Theater von Limenas, während Limnos im flachen Hügelland die venezianisch-osmanische Festung von Myrina hütet. Es lohnt sich, pro Insel ein, zwei Kernziele zu wählen und den Rest treiben zu lassen – die Nordägäis belohnt Tiefe mehr als Vollständigkeit.



































