Die Insel, die fast zum Festland gehoert.
Kaum eine griechische Insel ist so leicht zu erreichen und so leicht zu uebersehen wie Évia. Bei Chalkida, der Inselhauptstadt, ueberbruecken nur wenige Meter Wasser die Meerenge von Euripos zum Festland. Genau hier zeigt die Insel ihr beruehmtestes Raetsel: Die Stroemung kehrt sich etwa alle sechs Stunden um, ein Phaenomen, das schon antike Denker ratlos machte. Von der alten Schiebebruecke aus laesst es sich am besten beobachten, ueber der Stadt wacht die Karababa-Festung.
Wer der Kueste nach Norden folgt, taucht in ein gruenes Évia aus Pinienwaeldern, dem stillen Hafenstaedtchen Limni und den Thermalquellen von Edipsos ein, in denen Menschen seit der Antike Heilung suchten. Im Inselinneren ragt der Dirfys auf, mit Wanderwegen, die im Bergdorf Steni beginnen. Der wilde Sueden um Karystos schliesslich verbindet das mittelalterliche Castello Rosso, die megalithischen Drakospita und lange Straende zu einer Landschaft, die kaum jemand auf der Rechnung hat.
Dazu kommt der Geschmack der Insel: die getrockneten Feigen von Kymi mit geschuetzter Ursprungsbezeichnung, Pinienhonig aus den Waeldern des Nordens, die lokale Pasta Kourkoubines und deftige Fleischtavernen in den Bergen. Évia belohnt alle, die sich Zeit nehmen und die Insel als das verstehen, was sie ist: ein Stueck Griechenland zum Selberentdecken.