Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten auf Evia
Evia hat keine einzelne Ikone, die auf jedes Plakat passt – dafür verteilt sich das Sehenswerte über eine Insel, die von Nord nach Süd fast 180 Kilometer misst.
Fang in Chalkida an, der Inselhauptstadt direkt an der Meerenge von Euripos. Das eigentliche Schauspiel ist das Wasser selbst: Die Strömung unter der alten Brücke wechselt mehrmals täglich die Richtung, staut sich, steht kurz still und dreht dann wieder – ein Gezeitenphänomen, an dem sich Aristoteles vergeblich abarbeitete. Stell dich bei Strömungswechsel ans Geländer und schau zu, wie das Wasser förmlich kippt. In der Altstadt dahinter liegen eine osmanische Moschee, eine der ältesten Synagogen Griechenlands und die venezianisch geprägte Festung Karababa auf dem Festlandufer, von der du den besten Blick über die ganze Meerenge hast.
Im Süden dreht sich alles um Karystos und den Berg Ochi. Über der Stadt steht das venezianische Castello Rosso, das "Rote Schloss", eine Ruine mit weitem Blick über die Bucht; am Hafen wacht der gedrungene venezianische Wehrturm Bourtzi. Das eigentliche Rätsel liegt aber oben am Berg: die Drakospita, die "Drachenhäuser" – prähistorische Bauten aus tonnenschweren Steinplatten, die ohne Mörtel aufeinanderliegen und deren Zweck bis heute umstritten ist. Das bekannteste steht knapp unter dem Gipfel des Ochi und ist nur zu Fuß erreichbar; plane für den Aufstieg einen halben Tag und feste Schuhe ein.
Der Norden gehört Edipsos und seinen Thermalquellen, doch auch abseits davon lohnen die Berge. Der Dirfys ist mit 1.743 Metern der höchste Gipfel der Insel, und am Bergdorf Steni beginnen schattige Wanderwege durch Kastanien- und Tannenwald. In Prokopi steht die vielbesuchte Wallfahrtskirche des Heiligen Johannes des Russen – für orthodoxe Pilger ein bedeutender Ort, für Durchreisende ein Grund für einen kurzen Stopp. Nach den verheerenden Waldbränden von 2021 haben Teile des nördlichen Pinienwaldes gelitten; die Landschaft erholt sich, aber du wirst stellenweise noch die verbrannten Hänge sehen.
Kymi im Osten ist der ruhige Gegenpol: ein Städtchen, das wie ein Balkon über der Ägäis klebt, berühmt für seine getrockneten Feigen und mit einem kleinen Hafen, von dem die Fähre zur Nachbarinsel Skyros ablegt. Wer Zeit hat, verbindet die Highlights nicht als Abhakliste, sondern als lange Fahrt entlang des Rückgrats der Insel – von der Meerenge im Nordwesten bis zum windigen Kap Kafireas ganz im Süden, wo laut Mythos ein Teil der heimkehrenden griechischen Flotte nach Troja zerschellte.


























