Die schönsten Sehenswürdigkeiten auf Kreta
Morgens um acht liegt der venezianische Hafen von Chania noch im Schatten, die Fischerboote schaukeln vor der Moschee, und die einzigen Geräusche sind Tauwerk und Espressomaschinen.
Kretas Sehenswürdigkeiten verteilen sich auf viertausend Jahre: Ganz oben steht Knossos, der minoische Palast vor den Toren Heraklions, dem weiter unten eine eigene Sektion gehört. Direkt dahinter rangieren die drei venezianischen Hafenstädte der Nordküste – Chania mit Leuchtturm und Janitscharen-Moschee, Rethymnon mit seiner Fortezza und Heraklion mit der Hafenfestung Koules. Alle drei erkundest du zu Fuß, und alle drei zeigen dieselbe Schichtung: minoische Fundamente, venezianische Fassaden, osmanische Erker, griechischer Alltag darüber.
Im Osten der Insel liegt Spinalonga vor der Bucht von Elounda: eine venezianische Festungsinsel, die bis 1957 als Leprakolonie diente und heute per Ausflugsboot ab Elounda, Plaka oder Agios Nikolaos erreicht wird. Plane den ersten Bootstermin des Tages, dann läufst du fast allein durch die verlassenen Gassen. Agios Nikolaos selbst gruppiert sich um den kleinen Voulismeni-See, und auf der Lasithi-Hochebene drehen sich zwischen Apfelgärten die Reste von tausenden Segelwindrädern – von dort steigst du zur Diktäischen Grotte hinauf, in der der Sage nach Zeus geboren wurde.
Der Süden erzählt andere Geschichten: In Matala haben Menschen schon in römischer Zeit Höhlen in die Sandsteinklippe geschlagen, in denen sich in den späten Sechzigern die Hippie-Szene einnistete – heute schaust du von den Felskammern auf eine Badebucht mit Tavernenreihe. Das Kloster Arkadi südöstlich von Rethymnon ist dagegen ein nationales Symbol: 1866 sprengten sich hier hunderte Kreter mitsamt dem Pulvermagazin in die Luft, statt sich den osmanischen Belagerern zu ergeben. Der Renaissance-Kirchenbau im Innenhof gehört zu den schönsten Fassaden der Insel.
Dazu kommt die Natur als eigene Kategorie: die Samaria-Schlucht im Westen, die Palmenbucht von Vai am äußersten Ostzipfel – der größte natürliche Palmenhain Europas – und die Lagunen von Balos und Elafonissi, die weiter unten im Strandkapitel ausführlich drankommen. Die ehrlichste Planungsregel für Kreta lautet deshalb: Nicht alles auf einer Route abhaken. Die Fahrzeiten über die Bergstraßen sind länger, als die Karte suggeriert, und ein einziger Inselteil pro Woche ist mehr Erlebnis als drei im Schnelldurchlauf.
































