Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Chania
Fast alles, was du in Chania sehen willst, liegt in einem Halbkreis von 800 Metern um das alte Hafenbecken – die Wege misst du in Minuten, nicht in Kilometern.
Der Alte Venezianische Hafen ist der Bezugspunkt für alles Weitere. Die Venezianer legten das Becken zwischen 1320 und 1356 an, heute zieht sich davor eine geschlossene Front aus ockerfarbenen, drei- und vierstöckigen Häusern mit Tavernen im Erdgeschoss. Am östlichen Ende der Kaimauer steht die Küçük-Hasan-Pascha-Moschee, im Volksmund Yali Tzami, gebaut 1645 kurz nach der osmanischen Eroberung der Stadt und damit die älteste osmanische Moschee Kretas. Ihre große Halbkugelkuppel ruht auf vier Steinbögen und war ursprünglich von mehreren kleineren Kuppeln flankiert; das Minarett wurde im 20. Jahrhundert abgetragen. Der Innenraum ist kein Gebetsraum mehr, sondern wird für wechselnde Ausstellungen genutzt – ein Blick hinein kostet meist nichts und dauert fünf Minuten.
Vom Hafenbecken führt eine lange Mole hinaus zum Leuchtturm von Chania, dem Motiv, das auf jeder zweiten Kreta-Postkarte klebt. Der Weg beginnt an der östlichen Hafenseite, führt an der Mole entlang und braucht gut eine Viertelstunde in eine Richtung; der Turm selbst ist nicht zu besteigen. Seine heutige, an ein Minarett erinnernde Form stammt aus der ägyptischen Zeit in den 1830er-Jahren, der Standort geht auf einen venezianischen Vorgänger zurück. Geh entweder früh, wenn die Mole noch leer und die Luft kühl ist und Fischer ihre Leinen einholen, oder eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang – dann steht die ganze Stadt mit dir dort draußen, und das ist Teil des Erlebnisses.
Am westlichen Hafeneingang, genau gegenüber dem Leuchtturm, liegt die Firkas-Festung, die venezianische Hafenbastion mit dicken Mauern und einem Innenhof. Hier wurde am 1. Dezember 1913 die griechische Flagge gehisst, als Kreta offiziell zu Griechenland kam – ein Datum, das auf der Insel bis heute jedes Kind kennt. Heute sitzt in der Anlage das Schifffahrtsmuseum Kretas mit Schiffsmodellen, Navigationsgerät und einer eigenen Abteilung zur Luftlandeschlacht um Kreta im Mai 1941. Auf der anderen Seite des Beckens stehen die Neoria, die venezianischen Werfthallen: hohe Tonnengewölbe, direkt ans Wasser gebaut, in denen Galeeren überwintert und repariert wurden. Von ursprünglich siebzehn Hallen ist eine Reihe erhalten, das restaurierte Große Arsenal am Kopfende dient heute als Ausstellungs- und Veranstaltungshaus.
Landeinwärts wird es weniger fotogen und dafür alltäglicher. Die Markthalle von Chania, ein kreuzförmiger neoklassizistischer Bau von 1913, war ein Jahrhundert lang der Bauch der Stadt und ist nach mehrjähriger Restaurierung wieder in Betrieb – Käse, Kräuter, Fisch und Fleisch unter einem hohen Dach, mit Blick in vier Flügel auf einmal. Gleich daneben beginnt die Gasse der Stivanadika, in der noch immer Schuhmacher die hohen kretischen Lederstiefel fertigen. Ein paar Schritte weiter liegt der Städtische Garten, 1870 unter osmanischer Verwaltung angelegt, mit Uhrturm, Volieren und einem Café, in dem sich vormittags halb Chania trifft. Wer die Vorgeschichte der Stadt sehen will, fährt ins Archäologische Museum Chania, das seit 2022 in einem großzügigen Neubau im Viertel Halepa untergebracht ist und Funde aus dem minoischen Kydonia bis in die römische Zeit zeigt. Und den stillsten Ort der Altstadt findest du auf dem Platz Splantzia, wo unter einer mächtigen Platane die Kirche Agios Nikolaos steht – erst venezianische Klosterkirche, dann osmanische Moschee, heute wieder orthodox und das einzige Gotteshaus der Insel mit Glockenturm und Minarett an einem Bau.















