Heraklion Sehenswürdigkeiten zwischen Löwenbrunnen und Koules
Das historische Zentrum liegt komplett innerhalb des alten Mauerrings und lässt sich zu Fuß in einem halben Tag abgehen – alles andere braucht Bus, Taxi oder Auto.
Fang am Wasser an. Am Ende der Hafenmole steht die Koules-Festung, von den Venezianern im 16. Jahrhundert als Rocca a Mare vor das Hafenbecken gesetzt, mit meterdicken Mauern und drei in den Stein gehauenen Markuslöwen an den Außenseiten. Innen führen niedrige, gewölbte Kammern durch die Ausstellung, oben öffnet sich die Plattform mit Blick über Hafen, Stadt und Küste. Der Weg dorthin über die Mole ist am späten Nachmittag die beliebteste Runde der Heraklioten, mit Anglern an der Kaimauer und Fähren, die zum Anlegen einschwenken. Gegenüber auf der Landseite stehen die Arsenali, die gewölbten venezianischen Schiffshallen, in denen Galeeren gebaut und überwintert wurden – heute Torbögen mitten im Verkehr, die man leicht übersieht.
Vom Hafen führt der Weg bergauf in die Altstadt zum Eleftheriou-Venizelou-Platz, den alle nur Löwenplatz nennen. Dort steht der Morosini-Brunnen, den der venezianische Statthalter im 17. Jahrhundert bauen ließ, um die Stadt aus dem Umland mit Wasser zu versorgen; die vier Marmorlöwen im Zentrum sind älter als das Becken selbst und waren schon Zweitverwendung, als der Brunnen entstand. Rundherum drängen sich Café-Tische, dazwischen laufen die Fußgängerachsen der Innenstadt zusammen. Zwei Minuten entfernt öffnet sich die Venezianische Loggia, ein Arkadenbau, in dem sich der Adel Candias traf und in dem heute das Rathaus sitzt – nach dem Krieg aus Trümmerteilen wieder aufgebaut und dafür ausgezeichnet. Gleich daneben liegt die Kirche Agios Titos, die unter osmanischer Herrschaft Moschee war und die Reliquie des heiligen Titus verwahrt, die erst im 20. Jahrhundert aus Venedig zurückkam.
Südwestlich davon wird es sakral und laut zugleich. Die Kathedrale Agios Minas gehört zu den größten Kirchen Griechenlands, ist dem Schutzpatron der Stadt geweiht und im Inneren mit einer dunklen, vergoldeten Ikonostase ausgestattet; nebenan steht die kleine Agia-Ekaterini-Kirche, in der heute Ikonen kretischer Meister ausgestellt sind – jener Schule, aus der auch El Greco hervorging. Von dort ist es ein kurzer Weg zum Kornarou-Platz mit dem Bembo-Brunnen, in den die Venezianer eine kopflose römische Statue einbauten, und dem osmanischen Pumpenhaus daneben, das seit Langem als Kafenio dient. Direkt anschließend beginnt die Odos 1866, die alte Marktgasse mit Kräuterständen, Käse, Oliven, Messern und Honig, die zwar längst auch Touristen bedient, aber immer noch der Ort ist, an dem Heraklion einkauft.
Zum Schluss die Mauern, die den ganzen Rundgang zusammenhalten. Der venezianische Befestigungsring misst rund viereinhalb Kilometer, ist an den Bastionen stellenweise dutzende Meter dick und war der Grund, warum sich Candia im 17. Jahrhundert über zwei Jahrzehnte gegen die osmanische Belagerung halten konnte – eine der längsten der europäischen Geschichte. Große Abschnitte lassen sich heute begehen, am lohnendsten die Martinengo-Bastion im Süden, auf der das Grab von Nikos Kazantzakis liegt. Kein Marmor, kein Pomp, nur ein Holzkreuz, eine Steinplatte und die Zeilen, dass er nichts hoffe, nichts fürchte und frei sei. Von der Brüstung überblickst du das Dächermeer bis zum Hafen und im Rücken die Ebene, hinter der sich der Psiloritis erhebt.















