◆ STADT · NORDÄGÄISCHE INSELN
Chios liegt im äußersten Osten der Ägäis, nur wenige Seemeilen vor der türkischen Küste, und bleibt selbst unter den nordägäischen Inseln eine eigenwillige Erscheinung. Die fünftgrößte Insel Griechenlands lebt seit Jahrhunderten von einem einzigen Baum: dem Mastixstrauch, dessen aromatisches Harz nur hier im kargen Süden zuverlässig fließt. Rund um diese Tränen aus Holz sind die Mastichochoria entstanden, mittelalterliche Wehrdörfer, in denen Pyrgi mit seinen geometrisch gemusterten Fassaden zum stillen Wahrzeichen geworden ist. Wer Chios bereist, tauscht Postkartenkulisse gegen gelebte Tradition, byzantinische Klöster und schwarze Vulkanstrände.
Chios trägt seinen Reichtum nicht im Übermaß zur Schau. Die Insel ist gebirgig und trocken, durchzogen von einem Rücken hoher Berge, dem Pelineon im Norden voran. Im Süden aber, wo der Boden anders ist und das Mikroklima milder, gedeiht etwas, das es in dieser Form nirgendwo sonst gibt: Mastix. Das Harz des Mastixstrauchs wird seit dem Mittelalter geerntet, in geduldiger Handarbeit von Familien, die ihr Wissen über Generationen weitergeben. Seit 1997 ist Chios-Mastix als geschützte Ursprungsbezeichnung anerkannt, 2014 nahm die UNESCO das Anbauwissen in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf.
Um dieses weiße Gold herum sind die Mastichochoria gewachsen, etwa zwei Dutzend Dörfer im Süden, die als Wehranlagen gegen Piratenüberfälle angelegt wurden: enge, überwölbte Gassen, fensterlose Außenmauern, ein Labyrinth, das Eindringlinge ausbremste. Pyrgi sticht heraus, weil jede Fassade mit Xysta überzogen ist, geometrischen Sgraffito-Mustern in Schwarz und Weiß, die auf den Einfluss der Genuesen zurückgehen, welche die Insel von 1346 bis 1566 beherrschten. Mesta und Olympoi haben ihre mittelalterliche Burgdorf-Form fast vollständig bewahrt.
Doch Chios ist mehr als Mastix. Das Kloster Nea Moni aus dem 11. Jahrhundert zählt mit seinen byzantinischen Mosaiken zum UNESCO-Welterbe. Der schwarze Kieselstrand Mavra Volia leuchtet vor tiefblauem Wasser, das verlassene Bergdorf Anavatos klebt wie ein Adlerhorst am Fels, und im Nordwesten wacht über Volissos eine byzantinische Festung. Wer Zeit mitbringt, findet eine Insel, die nichts vortäuscht.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
02 · Was tun
Mastix & Mittelalter
Eine Fahrt durch den kargen Süden zu den Wehrdörfern, in denen das Harz seit Jahrhunderten geerntet wird. Pyrgi mit seinen Xysta-Fassaden, das nahezu unversehrte Mesta und das stille Olympoi liegen wenige Kilometer auseinander.
Byzanz & Stein
Vom welterbegeschützten Kloster Nea Moni mit seinen Mosaiken hinauf zum verlassenen Felsendorf Anavatos und weiter zur byzantinischen Festung über Volissos im Nordwesten. Eine Route durch die bewegte Geschichte der Insel.
Küste & Vulkan
Der vulkanische Kieselstrand Mavra Volia bei Emporios leuchtet tiefschwarz vor klarem Türkis. Rundherum laden ruhigere Buchten der Südküste zum Baden fernab der großen Resorts ein.
03 · Wann
Chios hat ein mediterranes Klima mit heißen, trockenen Sommern und milden, regnerischen Wintern. Der Niederschlag konzentriert sich auf November bis März, im Hochsommer regnet es praktisch nie. Frühling und Herbst gelten als angenehmste Zeit, der Sommer als reine Badesaison.
04 · Häufige Fragen
Chios ist weltweit die einzige Insel, auf der das aromatische Mastix-Harz zuverlässig gewonnen wird. Berühmt sind die Mastix-Dörfer (Mastichochoria) im Süden, allen voran das mittelalterliche Pyrgi mit seinen geometrisch gemusterten Xysta-Fassaden. Hinzu kommen das UNESCO-Welterbe-Kloster Nea Moni und der schwarze Vulkanstrand Mavra Volia.
Es gibt zwei Wege: per Fähre ab dem Athener Hafen Piräus, die je nach Verbindung rund sieben bis neun Stunden dauert (meist mit Blue Star Ferries), oder per Flug ab Athen zum Inselflughafen, der unter einer Stunde dauert. Wegen der langen Überfahrt lohnt sich ein Aufenthalt von mehreren Nächten.
Pyrgi ist das größte der Mastix-Dörfer und in ganz Griechenland einzigartig: Nahezu jede Hausfassade ist mit Xysta überzogen, geometrischen Schwarz-Weiß-Mustern, die in den weißen Putz geritzt werden. Diese Sgraffito-Technik geht auf den Einfluss der Genuesen zurück, die Chios von 1346 bis 1566 beherrschten.
Am angenehmsten sind April bis Juni und September bis Oktober mit milden Temperaturen, ideal für Dörfer, Klöster und Wanderungen. Für einen reinen Badeurlaub ist die Zeit von Juni bis Mitte September am besten geeignet, dann allerdings bei höchster Auslastung und Hitze um 30 °C.
Chios gilt als Geheimtipp und ist weit weniger überlaufen als die bekannten Kykladen-Inseln. Die Insel setzt auf gelebte Tradition statt Massentourismus: funktionierende Mastix-Dörfer, byzantinische Geschichte und ursprüngliche Strände prägen das Bild stärker als große Resortanlagen.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Chios.
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