
◆ STADT · NORTE – PORTO & DOURO
Keine Stadt Portugals trägt ihren Anspruch so unverhohlen wie Guimarães: An der alten Stadtmauer prangt in steinernen Lettern „Aqui nasceu Portugal“ – hier wurde Portugal geboren. In der wuchtigen Burg auf dem Hügel kam um 1109 Afonso Henriques zur Welt, der sich gegen seine eigene Mutter und gegen León durchsetzte und zum ersten König eines neuen Reiches wurde. Was bleibt, ist eine der schönsten mittelalterlichen Altstädte Europas: granitene Arkadengänge, vorkragende Holzbalkone, der laubenumstandene Largo da Oliveira und die enge Rua de Santa Maria, durch die schon im 12. Jahrhundert die Mächtigen schritten. Über allem die Colina Sagrada, der heilige Hügel mit Burg, Pfalzkapelle und dem Herzogspalast der Bragança. Guimarães ist zugleich Universitätsstadt – studentisch jung, lebendig und in den Gassen nie museal.

Die Geschichte von Guimarães ist die Gründungsgeschichte Portugals. Im 10. Jahrhundert ließ die Gräfin Mumadona Dias hier ein Kloster und zu dessen Schutz eine Burg errichten – um diesen Doppelpunkt aus geistlicher und weltlicher Macht wuchs die Stadt. Knapp zwei Jahrhunderte später wurde in eben dieser Burg Afonso Henriques geboren. 1128 schlug er in der nahen Schlacht von São Mamede die Truppen seiner Mutter Teresa, machte sich von León unabhängig und nannte sich fortan König von Portugal. Die schlichte romanische Kirche São Miguel do Castelo, in der er der Überlieferung nach getauft wurde, steht bis heute zwischen Burg und Palast auf dem heiligen Hügel.
Anders als viele Altstädte überstand der Mittelalterkern von Guimarães die Jahrhunderte fast unversehrt – kein großes Erdbeben, keine Abrissmoderne hat ihn überformt. Genau deshalb erklärte die UNESCO das Zentrum 2001 zum Welterbe: Es gilt als ein Musterbeispiel dafür, wie sich eine mittelalterliche Siedlung organisch zur frühneuzeitlichen Stadt entwickelte. Granitarkaden überspannen die Gassen, hölzerne Brüstungen kragen über den Köpfen aus, und am Largo da Oliveira erinnert das gotische Padrão do Salado an einen Sieg über die Mauren. 2012 war Guimarães europäische Kulturhauptstadt – ein Jahr, das der alten Königsstadt eine ganze Generation junger Kulturorte bescherte.
Heute lebt Guimarães seine Doppelnatur mit Leichtigkeit. Auf der einen Seite das ehrwürdige Erbe: Burg, Palast, Kapelle, Kloster. Auf der anderen die Universität do Minho, deren Studierende die Tascas der Altstadt füllen, und das Couros-Viertel, in dem die offenen Becken der alten Gerbereien heute zwischen Galerien, Werkstätten und Hörsälen liegen. Über der Stadt thront die Penha, ein bewaldeter Granitberg mit Wallfahrtskirche, den eine historische Seilbahn in wenigen Minuten erschließt. travelperfect rät, einen Tag für die Colina Sagrada und das Zentrum zu nehmen – und einen halben für die Penha, am besten zur goldenen Stunde, wenn das Minho-Land unter einem liegt.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Die Wiege Portugals
Der heilige Hügel verdichtet die ganze Gründungsgeschichte auf wenige hundert Meter: die romanische Burg, in der Afonso Henriques geboren wurde, die schlichte Pfalzkapelle São Miguel do Castelo mit seinem Taufstein und der prächtige Paço dos Duques de Bragança mit seinen flämischen Wandteppichen und kassettierten Holzdecken. Wer die drei kombiniert, geht in einer Stunde durch acht Jahrhunderte.
Welterbe zu Fuß
Vom Largo da Oliveira mit seinen Arkaden und dem gotischen Padrão do Salado führt die Rua de Santa Maria, eine der ältesten Straßen der Stadt, hinauf zur Burg. An der Praça de Santiago reihen sich die Cafés unter Holzbalkonen, und an der alten Stadtmauer steht in Stein gemeißelt der berühmte Satz „Aqui nasceu Portugal“. Ein Spaziergang, der ohne Eintritt das ganze UNESCO-Zentrum erschließt.
Berg & Panorama
Vom Stadtpark schwebt der historische Teleférico in wenigen Minuten 400 Höhenmeter hinauf auf die Penha, einen bewaldeten Granitberg mit Wallfahrtskirche, Felsgrotten und verschlungenen Pfaden zwischen moosbedeckten Findlingen. Oben öffnet sich der weiteste Blick der Region – über Guimarães hinweg bis ins grüne Minho-Land. Ein Picknick im Pinienschatten gehört dazu.
Kunst & Gerbereien
Im Couros-Viertel liegen die offenen Steinbecken der alten Gerbereien heute zwischen Galerien, Werkstätten und Instituten der Universität do Minho. Nicht weit entfernt vereint die Plataforma das Artes e da Criatividade in einer umgebauten Markthalle Museum und Kreativzentrum – ein sichtbares Erbe des Kulturhauptstadtjahres 2012, das Guimarães eine zweite, junge Seele gab.
03 · Wann
Guimarães liegt im Minho, dem grünen Norden Portugals – das bedeutet milde Sommer, aber auch deutlich mehr Regen als an der Algarve oder im Alentejo, vor allem im Winterhalbjahr. Frühling und Frühherbst sind ideal: dann ist die Landschaft sattgrün, die Granitstadt nicht überlaufen, und die Temperaturen laden zum stundenlangen Bummeln durch die Gassen ein. Der Hochsommer ist angenehmer als im Landesinneren, kann aber kurze Hitzewellen bringen.
04 · Häufige Fragen
In der Burg von Guimarães wurde um 1109 Afonso Henriques geboren, der 1128 in der nahen Schlacht von São Mamede die Unabhängigkeit von León erkämpfte und sich zum ersten König von Portugal machte. An der alten Stadtmauer steht bis heute der Satz „Aqui nasceu Portugal“ – hier wurde Portugal geboren. Das macht Guimarães zum symbolischen Geburtsort der Nation.
Guimarães liegt rund 50 km nordöstlich von Porto. Mit dem Auto fährt man über die A7/A11 etwa 50 Minuten. Günstig und bequem ist der Zug: Regional- und Urbano-Züge fahren ab Porto Campanhã in rund 1 bis 1,5 Stunden nach Guimarães, teils mit Umstieg. Vom Stadtrand-Bahnhof sind es etwa 15 Gehminuten in die Altstadt.
Für die Altstadt, die Colina Sagrada mit Burg, Pfalzkapelle und Herzogspalast sowie die Penha reicht ein voller, gut gefüllter Tag. Wer es entspannter mag, das Couros-Viertel und die Plataforma das Artes mitnehmen oder von hier aus Braga und das Vinho-Verde-Land erkunden will, plant zwei Tage ein – Guimarães ist ein idealer Standort für den Minho-Norden.
Ja. Der historische Teleférico bringt einen vom Stadtpark in wenigen Minuten auf den bewaldeten Granitberg Penha mit Wallfahrtskirche, Felsgrotten und dem weitesten Panorama der Region. Oben kann man spazieren, picknicken oder zur Kirche gehen; wer mag, läuft den Rückweg auf einem der Wanderpfade hinab. Bei klarem Wetter ist der Ausblick übers Minho-Land grandios.
Grundsätzlich ja – die beiden Städte liegen nur etwa 25 km auseinander und sind per Zug oder Auto in rund 30 bis 40 Minuten verbunden. Beide haben jedoch genug zu bieten, um jeweils einen halben bis ganzen Tag zu füllen. Wer es nicht hetzen will, übernachtet im Minho und nimmt sich für jede Stadt Zeit; Guimarães für das Mittelalter, Braga für Barock und Bom Jesus.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Guimarães.
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