Évora und die Sehenswürdigkeiten des Alentejo
Um kurz nach neun, wenn die ersten Busse noch auf der Autobahn stehen, gehört dir der Diana-Tempel fast allein – nur die Tauben sitzen auf den Kapitellen.
Évora zuerst, denn die ganze Altstadt steht seit 1986 auf der UNESCO-Welterbeliste. Der römische Tempel aus dem 1. Jahrhundert – oft Diana-Tempel genannt, obwohl niemand sicher weiß, welchem Gott er geweiht war – ist mit vierzehn granitenen Korinther-Säulen der besterhaltene römische Tempel der iberischen Halbinsel. Gleich daneben steht die Sé, die größte mittelalterliche Kathedrale Portugals; steig aufs Dach, von dort überblickst du die weiß gekalkte Stadt bis hinaus in die Ebene. Zu Fuß ist alles nah beieinander, ein Auto brauchst du im Zentrum nicht.
Der Ort, an den sich alle erinnern, ist die Capela dos Ossos, die Knochenkapelle neben der Igreja de São Francisco. Franziskanermönche kleideten sie im 16. Jahrhundert mit den Gebeinen von rund 5.000 Toten aus, um an die Vergänglichkeit zu mahnen; über dem Eingang steht der Satz „Nós ossos que aqui estamos, pelos vossos esperamos“ – wir Gebeine, die hier liegen, warten auf die euren. Es ist beklemmend und faszinierend zugleich, und ein kleiner Eintritt fällt an. Plane für Kapelle und Kirche zusammen eine gute Stunde ein.
Vom Largo do Marquês de Marvila zieht sich das Aquädukt Água de Prata in die Stadt, ein Wasserlauf aus dem 16. Jahrhundert, in dessen Bögen sich am Stadtrand Häuser, Cafés und Werkstätten eingenistet haben. Das Zentrum von Évora ist die Praça do Giraldo, ein langer Platz mit Arkaden und Marmorbrunnen, an dem abends die halbe Stadt zum Kaffee sitzt. Von hier verzweigen sich die Gassen zur Universität, deren Renaissance-Innenhof mit Azulejo-Fliesen du besichtigen kannst, wenn keine Prüfungen laufen.
Wer mehr Zeit hat, fährt rund fünfzehn Kilometer westlich zum Cromeleque dos Almendres, einem der größten Steinkreise Europas: rund 95 Menhire, aufgestellt vor etwa 7.000 Jahren, mitten in einem Korkeichenhain und frei zugänglich. Frühmorgens oder zur blauen Stunde stehst du oft allein zwischen den Steinen. Die letzten Kilometer führen über eine Schotterpiste – langsam fahren, aber mit jedem normalen Mietwagen machbar.





























