Ribeira Grande liegt an der Nordküste von São Miguel, der größten Insel der Azoren, und ist nach Ponta Delgada die zweitgrößte Stadt des Archipels. Ihren Namen verdankt sie dem Fluss, der mitten durch den Ort stürzt und über mehrere alte Steinbrücken den historischen Kern teilt. Wer hier ankommt, merkt schnell, dass die Stadt einem anderen Rhythmus folgt als die geschäftige Inselhauptstadt im Süden. Das Zentrum erzählt von der goldenen Orangenzeit des 18. und 19. Jahrhunderts, als São Miguel Zitrusfrüchte bis nach England exportierte. Aus dieser Epoche stammen die schwarz-weißen Kirchenfassaden aus Basalt und Kalk, die für die azoreanische Architektur typisch sind, ebenso die herrschaftlichen Stadthäuser und die markante Treppenanlage am Largo do Conde de Jácome Correia. Die Igreja Matriz und die Kirche Espírito Santo gehören zu den fotogensten Bauten der Insel. Wenige Kilometer entfernt zeigt sich die wildere Seite: An der Praia de Santa Bárbara brechen die zuverlässigsten Wellen der Azoren auf schwarzem Vulkansand – ein Treffpunkt für Surfer aus ganz Europa. Im Hinterland liegt die Gorreana-Teeplantage, die älteste noch aktive Teeplantage des europäischen Kontinents, wo man kostenlos durch die Produktion spazieren und frisch aufgegossenen Schwarztee probieren kann. Ribeira Grande ist außerdem das Tor zu zwei vulkanischen Sehnsuchtsorten São Miguels: der dampfenden Thermalanlage Caldeira Velha mit ihren warmen Naturpools im Lorbeerwald und dem Kratersee Lagoa do Fogo, der bei klarer Sicht türkis in seinem grünen Kessel liegt. Diese Mischung aus barocker Stadtruhe und vulkanischer Natur macht den Norden zu einem Ort, an dem man verweilt statt abhakt.



