Wer mit dem Zug von Salzburg nach Süden fährt, erreicht Hallein nach knapp 20 Minuten – und tritt in eine Stadt ein, die sich von der großen Nachbarin wohltuend unterscheidet. Keine Touristenströme, keine überfüllten Souvenirläden, dafür eine intakte Altstadt aus dem Mittelalter, deren enge Gassen und Bürgerhäuser vom Reichtum einer einst mächtigen Salzhandelsstadt erzählen. Die Salzach fließt hier noch ruhig und breit, die Berge rücken nah, und der Alltag der Einheimischen spielt sich unaufgeregt zwischen Marktplatz, Café und Biergarten ab. Das Fundament dieser Stadt ist buchstäblich unterirdisch: Der Salzberg am Dürrnberg, über der Stadt gelegen, wurde bereits in der Keltenzeit abgebaut und machte Hallein zu einem der bedeutendsten Salzproduktionszentren Mitteleuropas. Heute ist das Keltenmuseum am Pflegerplatz eines der besten seiner Art im deutschsprachigen Raum – mit Originalfunden aus den hallstattzeitlichen Gräberfeldern, die das Leben der keltischen Bevölkerung auf dem Dürrnberg greifbar machen. Wer tiefer einsteigen möchte, fährt mit der Dürrnbergbahn hinauf zum Salzbergwerk Hallein, wo man in original erhaltene Stollen einfahren und auf hölzernen Rutschen durch das Berginnere gleiten kann – ein Erlebnis, das Erwachsene ebenso begeistert wie Kinder. In der Altstadt selbst lohnt ein Spaziergang durch die Kornstatt, das historische Lagerviertel am Salzachufer, sowie ein Besuch der Stadtpfarrkirche St. Antonius mit ihrem markanten Turm. Am Bayrhamerplatz trifft man auf das stille Zentrum der Altstadt: Hier steht auch das Stille-Nacht-Museum, das an Franz Xaver Gruber erinnert, den Komponisten des berühmten Weihnachtsliedes, der in Hallein seine letzten Jahrzehnte verbrachte und auf dem Stadtfriedhof begraben liegt. Gastronomisch hält Hallein, was seine Lage verspricht: Wirtshäuser mit Salzburger Küche, Gasthäuser mit Blick auf die Salzach und eine wachsende Szene aus Cafés und kleinen Restaurants, die lokale Produkte aus dem Tennengau in den Mittelpunkt stellen. Wer am Abend auf der Terrasse eines Salzachufer-Lokals sitzt, die Berge im letzten Licht und ein Glas Grüner Veltliner in der Hand, versteht, warum viele Salzburg-Besucher Hallein als ihren eigentlichen Lieblingsort im Salzburgerland bezeichnen.



