Fátima ist kein Ort, an den man zufällig gerät – man kommt mit einem Anliegen. Seit 1917 drei Hirtenkinder auf der Cova da Iria von Erscheinungen der Muttergottes berichteten, ist aus dem einstigen Bauernweiler in der portugiesischen Region Centro einer der bedeutendsten katholischen Wallfahrtsorte der Welt geworden. Die weite Esplanade füllt sich an den Gedenktagen am 13. eines Monats mit Pilgern aus aller Welt; viele legen die letzten Hundert Meter zur Kapelle auf den Knien zurück. Das Heiligtum wird von zwei sehr unterschiedlichen Kirchen gerahmt. Im Norden steht die schlanke, neoklassizistisch-barocke Basílica de Nossa Senhora do Rosário mit ihrem hohen Turm und der davor liegenden Capelinha das Aparições, der kleinen Erscheinungskapelle am Ort der Visionen. Ihr gegenüber spannt sich am südlichen Ende der gewaltige, fast skulpturale Rundbau der Basílica da Santíssima Trindade, 2007 vollendet, mit Platz für Tausende. Dazwischen liegt der weite, oft windige Platz, der Fátima seine besondere Atmosphäre gibt – nüchtern, ernst, ohne Kitsch. Wer über das Heiligtum hinausschaut, entdeckt eine ruhige, ländliche Umgebung. Im nahen Dorf Aljustrel stehen die schlichten Geburtshäuser der Seherkinder Lúcia, Francisco und Jacinta, umgeben von Olivenhainen und Steinmauern. Südlich erhebt sich der Naturpark Serra de Aire e Candeeiros mit seinen Karsthöhlen wie den Grutas de Mira de Aire. Und nur eine kurze Fahrt entfernt liegen die historischen Städte Tomar mit seiner Templerburg, Batalha und Alcobaça mit ihren UNESCO-Klöstern. Fátima trägt seine Bedeutung leise. Es ist kein Ort für laute Sehenswürdigkeiten, sondern für stille Momente – die Kerzen am Brennplatz, die Prozessionen bei Einbruch der Dunkelheit, die Konzentration der Menschen. Auch wer ohne religiöses Anliegen kommt, spürt hier eine Ernsthaftigkeit und Ruhe, die nachwirkt.



