
◆ STADT · ZENTRALPORTUGAL
Nazaré ist zwei Orte in einem. Unten an der weiten Bucht liegt das alte Fischerstädtchen: ein Gewirr enger Gassen hinter der Strandpromenade, Frauen in den traditionellen sete saias, den sieben Röcken, und auf hölzernen Gestellen am Sand trocknet noch immer der Fang in der Atlantiksonne. Oben auf dem Felsen, über die hölzerne Standseilbahn in zwei Minuten erreichbar, wartet das raue Gegenstück: das Wallfahrtsheiligtum Nossa Senhora da Nazaré, der schwindelerregende Blick vom Suberco hinab auf das Häusermeer – und gleich dahinter die Praia do Norte, wo ein tiefer unterseeischer Canyon die Energie des Ozeans bündelt und im Winter Wellen von über zwanzig Metern auftürmt. Seit Garrett McNamara hier 2011 einen Weltrekord ritt, ist aus dem stillen Badeort die Welthauptstadt des Big-Wave-Surfens geworden.

Nazaré wuchs aus drei Kernen zusammen, die noch heute spürbar getrennt sind. Auf dem ältesten, Pederneira, drängten sich die Menschen im Mittelalter aus Angst vor Piraten und Korsaren auf einem geschützten Hügel zusammen; die kleine, stille Höhensiedlung mit ihren Kirchen blickt bis heute über das Tal. Sítio, der zweite Hügel, ist der spirituelle Pol: Hier soll im Jahr 1182 der Ritter Dom Fuas Roupinho bei der Jagd im Nebel auf die Klippe zugaloppiert sein, ehe ein Anruf der Jungfrau Maria sein Pferd am äußersten Rand zum Stehen brachte – zum Dank entstand das Heiligtum Nossa Senhora da Nazaré, das über Jahrhunderte Pilger anzog. Praia schließlich, die heutige Unterstadt direkt am Sand, war lange nur ein saisonales Fischerlager und wurde erst spät zum eigentlichen Zentrum.
Das Meer gab und nahm. Die Fischer von Nazaré fuhren ohne Hafen hinaus – die Boote wurden mit Ochsengespannen über den Strand gezogen, und wenn der Atlantik tobte, kehrten manche nicht zurück. Aus dieser Härte erwuchsen die Bräuche, die den Ort bis heute prägen: die schwarz gekleideten Witwen, die Frauen in den sieben Röcken, der carapau seco, der luftgetrocknete Stöckerfisch, der noch immer reihenweise am Strand in der Sonne hängt. Nazaré ist kein Freilichtmuseum, das diese Dinge inszeniert – es lebt sie, weil es nie aufgehört hat.
Und dann ist da der Grund für den Weltruhm: Vor der Praia do Norte zieht sich der Nazaré-Canyon über fünf Kilometer tief in den Atlantik. Dieser unterseeische Graben bündelt und beschleunigt die Wellenenergie wie ein Trichter, sodass an wenigen Wintertagen Brecher entstehen, die alles Bekannte übertreffen. Seit Garrett McNamaras Rekordritt 2011 pilgern die besten Big-Wave-Surfer der Welt hierher; von der Plattform am Forte de São Miguel Arcanjo verfolgen im Winter Tausende, wie Jetskis die Surfer in Wände aus Wasser ziehen, die so hoch sind wie ein Haus. travelperfect rät, beide Nazarés zu nehmen – das laute am Felsen und das leise in den Gassen darunter.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel




· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Der Felsen von Sítio
Mit der hölzernen Standseilbahn von 1889 hinauf auf den Felsen: Oben warten der Aussichtspunkt Suberco mit dem klassischen Blick über die ganze Bucht, das Heiligtum Nossa Senhora da Nazaré mit der Legende vom geretteten Ritter und die kleine Kapelle Ermida da Memória am Klippenrand, wo alles begann. Ein Spaziergang über den Largo do Sítio mit seinen Cafés rundet den Vormittag ab.
Die Welle
Hinter dem Felsen liegt die berühmteste Big-Wave-Bucht der Welt. Vom Forte de São Miguel Arcanjo mit seinem roten Leuchtturm und dem kleinen Surf-Museum blickt man direkt auf den Spot, an dem im Winter die Monsterwellen brechen. Eine Tafel erinnert an die Rekordritte, und an guten Tagen verfolgt man von der Plattform aus, wie Jetskis die Surfer in die Wände aus Wasser ziehen.
Strand & Tradition
Die breite Stadtbucht ist im Sommer ein klassischer Familienstrand mit gestreiften Sonnenzelten – und das ganze Jahr über das Schaufenster der Nazaré-Tradition. Hier tragen ältere Fischerinnen noch die sieben Röcke, am Sand hängt der carapau seco auf Holzgestellen, und in den Gassen dahinter reiht sich eine Tasca an die nächste. Wer früh kommt, sieht das echte Nazaré vor den Tagesausflüglern.
Stille Höhen
Der älteste Kern Nazarés, Pederneira, liegt verschlafen auf seinem Hügel und belohnt mit Ruhe, einem weiten Aussichtsplatz und mittelalterlichen Kirchenruinen. Von Nazaré aus sind zudem das Lagunenstädtchen São Martinho do Porto mit seiner muschelförmigen Bucht und die mächtigen Klöster von Alcobaça und Batalha in kurzer Fahrt erreichbar – das UNESCO-Erbe der Region.
03 · Wann
Nazaré hat zwei Hochsaisons, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Im Sommer ist es ein lebhafter Badeort am Atlantik mit kühlem, oft windigem Meer; im Winterhalbjahr verwandelt sich die Praia do Norte in die Bühne des Big-Wave-Surfens. Die Stadtbucht ist durch den Felsen geschützt und meist deutlich ruhiger als die wilde Nordseite. Genaue Wellentage lassen sich nicht vorhersagen – nur die Saison.
04 · Häufige Fragen
Die größten Wellen an der Praia do Norte entstehen im Winterhalbjahr, etwa von Oktober bis Februar/März, und nur an einzelnen Tagen mit dem passenden Atlantik-Swell. Planbar ist das nicht – wer die Monsterwellen erleben will, verfolgt am besten die Wellenvorhersagen und reist kurzfristig an. Beobachtet wird sicher von der Plattform am Forte de São Miguel Arcanjo, niemals unten an der Praia do Norte selbst.
Für den Ort selbst – Strand, Sítio mit Ascensor und Heiligtum, das Forte und die Gassen der Unterstadt – reichen ein bis zwei Tage gut aus. Wer Nazaré mit den nahen UNESCO-Klöstern Alcobaça und Batalha, der Lagune von São Martinho do Porto oder dem Burgdorf Óbidos verbindet, plant zwei bis drei Tage ein und nutzt den Ort als ruhige Küstenbasis.
Nazaré hat keinen eigenen Bahnhof. Am einfachsten reist man mit dem Fernbus (Rede Expressos) an: ab Lissabon dauert die Fahrt etwa 1:45 bis 2 Stunden, ab Coimbra rund 1:30 Stunden. Mit dem Auto führt die Autobahn A8 von Lissabon heran. Innerorts verbindet die historische Standseilbahn Ascensor da Nazaré die Unterstadt mit dem Felsen von Sítio.
Auf jeden Fall. Auch ohne Big-Wave-Spektakel ist Nazaré einer der charaktervollsten Küstenorte Portugals: der Blick vom Suberco, die hölzerne Standseilbahn, das Wallfahrtsheiligtum, die lebendige Fischertradition mit den sete saias und dem trocknenden Fisch sowie die frische Caldeirada in den Tascas machen den Ort ganzjährig lohnend.
Ja – die geschützte Stadtbucht Praia da Nazaré ist im Sommer ein beliebter Familienstrand mit feinem Sand und überwachten Abschnitten. Der Atlantik ist allerdings kühl und kann Strömung haben. Die Praia do Norte hinter dem Felsen ist dagegen kein Badestrand, sondern dem Surfen vorbehalten und bei großem Swell lebensgefährlich.
Die klassische caldeirada à Nazarena, ein üppiger Fischeintopf aus dem Tagesfang, sowie frisch gegrillter Fisch und arroz de marisco (Meeresfrüchtereis). Typisch ist auch der carapau seco, der luftgetrocknete Stöckerfisch, den man noch immer auf Holzgestellen am Strand sieht. Dazu ein Glas Vinho Verde oder ein lokaler Weißwein.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Nazaré.
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