
◆ STADT · NIEDERÖSTERREICH
Wiener Neustadt ist keine Stadt, die sich anbiedert. Sie wurde 1194 als Grenzfestung gegen Ungarn gegründet, finanziert – so erzählt man – aus dem Lösegeld für Richard Löwenherz, und sie hat seither Kaiser geboren, Kriege überstanden und sich danach jedes Mal wieder aufgerichtet. Über dem weiten Hauptplatz wacht die Mariensäule, der Dom staffelt seine gotischen Apostel an den Pfeilern auf, und am Südrand der Altstadt residiert in der mächtigen Burg seit 1752 die Theresianische Militärakademie. Dazwischen liegt eine ehrliche, lebendige Stadt: Bürgerhäuser, Schanigärten, der wuchtige Reckturm der alten Mauer und das stille Neukloster mit seinen Kaisergräbern. Eine halbe Bahnstunde von Wien entfernt, und doch eine Welt für sich.

Die Gründung Wiener Neustadts 1194 durch den Babenberger Leopold V. hängt der Legende nach am englischen Königshaus: Aus dem Lösegeld, das Kaiser Heinrich VI. und Leopold für den gefangenen Richard Löwenherz erpressten, soll die neue Grenzfestung gegen das Königreich Ungarn finanziert worden sein. Über Jahrhunderte blieb die Stadt strategisch: Im 15. Jahrhundert machte Kaiser Friedrich III. sie zu seiner Lieblingsresidenz und ließ in die Burg die Kapelle einbauen, deren Westfassade noch heute mit dem berühmten Wappenfries und dem Sinnspruch AEIOU geschmückt ist. Sein Sohn Maximilian I., der „letzte Ritter“, wurde 1459 hier geboren – und 1519 in der Georgskathedrale der Burg beigesetzt, wo sein schlichtes Grab bis heute liegt.
Der Dom, die Liebfrauenkirche, erzählt von diesem goldenen Zeitalter: An den Vierungspfeilern reiht sich die gotische Apostelfigurenreihe auf, eines der eindrucksvollsten mittelalterlichen Figurenprogramme Österreichs, und das Wappenrelief Friedrichs III. erinnert an den kaiserlichen Mäzen. Wenige Schritte entfernt bewahrt das Zisterzienserstift Neukloster das Grabmal der Eleonore von Portugal, Friedrichs Gemahlin – und mit ihm einen der kunsthistorisch wertvollsten Innenräume der Stadt. Der weite Hauptplatz, von gotischen und barocken Bürgerhäusern gerahmt, war über Jahrhunderte Markt, Gerichtsort und Bühne der Stadtgeschichte.
Doch Wiener Neustadt war auch eine Stadt der Maschinen und der Luft: 1909 wurde hier das erste Flugfeld des europäischen Festlands angelegt, Igo Etrich und Karl Illner hoben von hier ab – die Stadt gilt als Wiege der österreichischen Luftfahrt. Diese Industrie wurde ihr im Zweiten Weltkrieg zum Verhängnis: Als Standort von Flugzeug- und Rüstungswerken war Wiener Neustadt die meistbombardierte Stadt Österreichs, über 80 Prozent der Bausubstanz wurden zerstört. Was du heute siehst, ist deshalb kein konserviertes Mittelalter, sondern ein ehrliches Nebeneinander aus Geretteten und Wiederaufgebautem – eine Stadt, die ihre Brüche nicht versteckt. travelperfect empfiehlt, sie zu Fuß und ohne Eile zu erkunden: vom Hauptplatz über Dom und Reckturm bis zur Burg ist alles fußläufig erreichbar.
01 · Auf einen Blick
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Kaiser & Mittelalter
Vom Dom mit seiner gotischen Apostelreihe und dem Wappenrelief Friedrichs III. zur Burg mit der St.-Georgs-Kathedrale, deren Westfassade der berühmte Wappenfries mit dem Sinnspruch AEIOU schmückt – und in der das Grab Kaiser Maximilians I. liegt. Das Neukloster mit dem Grabmal Eleonores von Portugal schließt die kaiserliche Runde.
Mauern & Türme
Wiener Neustadt war von Anfang an Festung. Der Reckturm, letzter erhaltener Wehrturm der mittelalterlichen Stadtbefestigung, beherbergt heute ein Waffenmuseum; der Wasserturm und die Reste der Stadtmauer erzählen vom übrigen Befestigungsring. Ein Rundgang entlang der alten Wehrlinie zeigt, wie eng Stadt und Verteidigung hier verwoben waren.
Platz & Bürgerstadt
Der weite Hauptplatz ist das Wohnzimmer der Stadt: Mariensäule, das Rathaus, die Reihe gotischer und barocker Bürgerhäuser mit ihren Arkaden und das Stadttheater nebenan. Hier sitzt man im Schanigarten, hier findet der Wochenmarkt statt, hier zieht im Advent der Weihnachtsmarkt ein. Das Stadtmuseum vertieft die Geschichte hinter den Fassaden.
Familie & Erholung
Jenseits der Geschichte hat Wiener Neustadt Platz zum Durchatmen: das Erlebnisbad AQUA NOVA mit Therme und Sauna für graue Tage, der Stadtpark und der Akademiepark rund um die Burg, dazu der weitläufige Wasserpark am Stadtrand. Für Familien ein willkommener Ausgleich zwischen zwei Kirchenbesuchen.
03 · Wann
Wiener Neustadt liegt im Steinfeld am Südrand des Wiener Beckens – einer der trockeneren und sonnigeren Ecken Niederösterreichs, geschützt von den Wiener Alpen im Süden. Die Sommer sind warm und können heiß werden, die Winter kühl mit gelegentlichem Frost. Weil sich die kompakte Altstadt gut an einem Tag erkunden lässt, ist die Stadt ganzjährig ein lohnendes Ziel; im Freien sitzt man am angenehmsten von Mai bis September.
04 · Häufige Fragen
Am einfachsten mit der Bahn: Von Wien Hauptbahnhof fahren REX- und Railjet-Züge auf der Südbahn in rund 30 bis 40 Minuten dicht getaktet nach Wiener Neustadt. Mit dem Auto sind es über die A2 Südautobahn etwa 50 Kilometer. Der Bahnhof liegt nur wenige Gehminuten von der Altstadt entfernt.
Die kompakte Altstadt mit Hauptplatz, Dom, Reckturm, Neukloster und der Burg lässt sich gut an einem Tag zu Fuß erkunden. Wer zusätzlich das Stadtmuseum, das Erlebnisbad AQUA NOVA oder einen Ausflug in die nahen Wiener Alpen einplant, füllt problemlos auch ein verlängertes Wochenende.
Die Burg ist aktiver Standort der Theresianischen Militärakademie, daher ist der Zutritt eingeschränkt. Die berühmte St.-Georgs-Kathedrale mit dem Grab Kaiser Maximilians I. lässt sich in der Regel nur im Rahmen von Führungen oder zu besonderen Anlässen besichtigen. Den eindrucksvollen Wappenfries an der Westfassade sieht man jedoch von außen.
Den Dom (Liebfrauenkirche) mit seiner gotischen Apostelfigurenreihe, den weiten Hauptplatz mit Mariensäule und Bürgerhäusern, den Reckturm der alten Stadtbefestigung mit Waffenmuseum, das Zisterzienserstift Neukloster und – zumindest von außen – die Burg mit der Georgskathedrale. Zusammen erzählen sie die kaiserliche Geschichte der Stadt.
Ja. Wegen der kurzen Bahnfahrt und der dicht beieinanderliegenden Sehenswürdigkeiten ist Wiener Neustadt ein idealer Halbtages- bis Tagesausflug. Wer mehr Natur will, kombiniert die Stadt mit einem Abstecher in die nahen Wiener Alpen oder zum Semmering.
Für einen Tag durchaus: Das Erlebnisbad AQUA NOVA mit Therme und Rutschen, der Wasserpark und die weitläufigen Parks rund um die Burg bieten Abwechslung zum Kulturprogramm. Die kompakte, weitgehend autofreie Altstadt lässt sich auch mit Kindern entspannt erkunden.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Wiener Neustadt.
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