Wer zum ersten Mal durch das Stadttor von Hartberg tritt, braucht einen Moment, um sich zu orientieren – nicht weil die Stadt verwirrend wäre, sondern weil der gut erhaltene mittelalterliche Stadtkern so unvermittelt und vollständig wirkt. Die Häuserzeilen am Hauptplatz stehen seit Jahrhunderten, und doch ist hier kein Museum entstanden, sondern ein lebendiger Ort, an dem am Samstagvormittag die Marktstände dampfen und die Stammgäste des nächsten Cafés sich schon von weitem zurufen. Hartberg liegt im Osten der Steiermark, eingebettet in das sanft gewellte Hügelland zwischen Wechsel und Riegersburg. Die Stadt ist Bezirkshauptstadt und damit ein echtes Zentrum der Region – mit Einkaufsstraßen, Schulen und Verwaltung, aber auch mit einer Altstadt, die diesen Namen verdient. Der Hauptplatz mit seinen barocken Fassaden und der gotischen Stadtpfarrkirche bildet das Herzstück; von hier aus erschließt sich die Stadt in wenigen Gehminuten in alle Richtungen. Besonders eindrucksvoll ist die Stadtpfarrkirche zum Heiligen Martin, deren Ursprünge ins 12. Jahrhundert zurückreichen. Gleich daneben erhebt sich der Karner, ein romanisches Rundgebäude aus dem 13. Jahrhundert, das zu den am besten erhaltenen seiner Art in der Steiermark zählt. Wer die enge Wendeltreppe hinaufsteigt, blickt über Ziegeldächer und Obstgärten bis zu den Ausläufern des Wechsels. Dieser Blick allein rechtfertigt den kleinen Umweg. Die Hartberger Burg, oberhalb der Altstadt gelegen, gibt dem Stadtbild seine markante Silhouette. Heute beherbergt sie das Stadtmuseum, das die Geschichte der Region von der Römerzeit bis ins 20. Jahrhundert erzählt – kompakt, gut kuratiert und ohne die Schwere mancher Regionalmuseen. Ein Nachmittag reicht, um alles zu sehen, und man verlässt es mit dem Gefühl, die Stadt besser zu verstehen. Das Umland von Hartberg ist Wandergebiet und Radrevier zugleich. Die Oststeiermark ist bekannt für ihre Apfelstrassen, Kürbisfelder und kleinen Buschenschanken, die im Herbst Sturm und Verhacktes ausschenken. Wer von Hartberg aus mit dem Fahrrad in die Hügel fährt, findet Wirtshäuser, die nicht im Reiseführer stehen, und Ausblicke, die man sich nicht teilt. Das ist der eigentliche Charakter dieser Gegend: großzügig, unaufgeregt, mit einer Gastfreundschaft, die nicht inszeniert wirkt.



