Wer von Dornbirn aus ins Ebnit aufbricht, tritt schon nach wenigen Schritten in eine andere Welt ein. Die Rappenlochschlucht empfängt ihre Besucher mit dem dumpfen Donnern der Ach, die sich tief in den Molassefels gegraben hat – mancherorts nur einen schmalen Spalt breit, die Wände aber bis zu 80 Meter hoch. Das Licht fällt hier anders: gedämpft, grünlich, fast unwirklich. Der Weg führt auf Stegen und Brücken dicht am Wasser entlang, immer wieder überrascht eine enge Kurve mit einem neuen Blick auf tosende Kaskaden oder spiegelglatte Becken. Der Weg durch die Schlucht ist keine einfache Wanderung, sondern ein Naturerlebnis mit echtem Abenteuercharakter. Schmale Pfade, in den Fels gehauene Stufen und gesicherte Passagen wechseln sich ab. Wer die Rappenlochschlucht durchquert hat, gelangt in die benachbarte Alplochschlucht – ein zweiter, etwas wilderer Abschnitt, der das Erlebnis noch einmal steigert. Zusammen bilden beide Schluchten eine der beeindruckendsten Wanderrouten im Vorarlberger Rheintal. Das Naturschutzgebiet rund um die Schlucht ist seit Jahrzehnten eines der meistbesuchten Ausflugsziele im Bregenzerwald-Vorland. Dennoch gelingt es dem Weg, eine Atmosphäre echter Ursprünglichkeit zu bewahren. Moosbedeckte Felsen, Farne, die aus den Spalten wachsen, und der konstante Lärm des Wassers lassen die Alltagswelt schnell vergessen. Wer früh morgens aufbricht, erlebt die Schlucht oft fast allein – das Licht, das dann durch den Eingang fällt, taucht den Fels in ein warmes Gold. Für Familien mit Kindern ist die Rappenlochschlucht ein besonderes Erlebnis, sollte aber mit Bedacht angegangen werden: Der Weg ist stellenweise schmal und feucht, festes Schuhwerk ist keine Empfehlung, sondern Voraussetzung. Wer die Route vollständig geht und über das Gütle zurückkehrt, plant am besten zwei bis drei Stunden ein.
Ein Weg auf Stegen und Felspassagen dicht am Wasser, eingerahmt von bis zu 80 Meter hohen Felswänden. Der Übergang in die Alplochschlucht steigert das Erlebnis. Der Untergrund ist feucht, das Rauschen der Ach allgegenwärtig – Natur pur, keine Infrastruktur im Inneren der Schlucht.
Die Rappenlochschlucht entstand durch die erosive Kraft der Dornbirner Ach, die sich über Jahrtausende in den weichen Molassefels des Vorarlberger Alpenvorlandes gegraben hat. Die ersten gesicherten Steige wurden Ende des 19. Jahrhunderts angelegt, als das Interesse an Naturerlebnissen im Bürgertum wuchs. Das Gütle, das Gasthaus am Eingang, ist seit dieser Zeit ein fester Ausgangspunkt für Ausflügler aus Dornbirn und dem gesamten Rheintal. Heute steht das Gebiet unter Naturschutz.
