Wer die Rappenlochschlucht zum ersten Mal betritt, versteht sofort, warum diese Schlucht seit Generationen Menschen aus ganz Europa anzieht. Der Weg beginnt am Gütle, einem kleinen Weiler am Stadtrand von Dornbirn, wo die Dornbirner Ach sich tief ins Gestein gefressen hat. Schon nach wenigen Schritten schließen sich die Felswände, das Tageslicht wird schmaler, und das Rauschen des Wassers nimmt jeden anderen Gedanken gefangen. Der Pfad führt zunächst auf hölzernen Stegen und Brücken dicht am Wasser entlang, vorbei an glattgeschliffenen Kalkfelsen, die von der Ach über Jahrtausende geformt wurden. Die Enge der Schlucht, stellenweise kaum wenige Meter breit, erzeugt eine eigentümliche Stille trotz des Lärms des Wassers. Moosbedeckte Wände, kleine Wasserfälle und das Spiel des Lichts auf dem türkisfarbenen Bach machen jeden Abschnitt zu einem neuen Bild. Wer die Augen offen hält, entdeckt in den Felsnischen Farne und Flechten, die sonst nirgendwo in der Region so üppig gedeihen. Nach dem Durchqueren der eigentlichen Rappenlochschlucht öffnet sich das Tal zur Alplochschlucht, die noch wilder und ursprünglicher wirkt. Hier wird der Weg schmaler, die Felsstufen steiler, und die Holzstege sind in den nackten Fels gebaut. Wer bis zum Staufensee weiterwandert, wird mit einem ruhigen Bergsee belohnt, der von Wäldern umgeben ist und zum Rasten einlädt. Der Gesamtweg von Gütle durch beide Schluchten bis zum Staufensee und zurück beträgt je nach gewählter Route zwischen zwei und vier Stunden. Die Wanderung ist technisch moderat, erfordert aber Trittsicherheit: Nasse Stege, Stufen und enge Passagen sind Teil des Erlebnisses. Kinder ab etwa sechs Jahren können die Hauptabschnitte problemlos meistern, sollten aber stets an der Hand geführt werden. Für Familien mit kleineren Kindern empfiehlt sich, nur bis zur ersten großen Brücke zu gehen und dort umzukehren. Hunde sind auf den Stegen und Brücken nur eingeschränkt geeignet. Die Rappenlochschlucht ist ganzjährig zugänglich, wobei nach starken Regenfällen oder im Frühjahr bei Schneeschmelze einzelne Abschnitte gesperrt sein können. Der Eintritt in die Schlucht ist frei, Parkplätze am Gütle sind kostenpflichtig.
Zwischen meterhohen Kalkwänden, auf schwingenden Holzstegen direkt über der Dornbirner Ach: Die Rappenlochschlucht ist eines der wildesten Naturerlebnisse Vorarlbergs. Wer hier durchgeht, erlebt Geologie zum Anfassen, hört das Wasser aus jeder Richtung und versteht, wie Jahrtausende Gestein formen können.
