Wer die Via Sacra betritt, folgt einem Weg, der seit dem Mittelalter begangen wird. Generationen von Pilgern haben diese Route durch die steirisch-niederösterreichische Bergwelt gezogen, auf der Suche nach Stille, Besinnung oder schlicht nach dem Gefühl, etwas Echtes mit den eigenen Beinen zu erreichen. Der Weg beginnt lange bevor man die ersten Türme der Basilika von Mariazell am Horizont erblickt – er beginnt im Kopf, mit der Entscheidung, sich Zeit zu nehmen. Die Mariazeller Via Sacra ist eine der bedeutendsten Pilgerstrecken Mitteleuropas. Sie verbindet Wien mit dem steirischen Wallfahrtsort Mariazell und führt durch eine Landschaft, die sich mit jeder Wegstunde verändert: flache Weinviertler Felder weichen sanften Hügelketten, die dann in die bewaldeten Voralpentäler übergehen. Wer die gesamte Strecke geht, legt mehrere Tagesetappen zurück und erlebt dabei nicht nur Natur, sondern auch kleine Ortschaften mit barocken Wegkapellen, Bildstöcken und Rastplätzen, die eigens für Pilger angelegt wurden. Jede Kapelle erzählt eine eigene Geschichte, jeder Wegstein erinnert daran, dass dieser Pfad kein touristischer Erlebnisweg, sondern ein lebendiger Glaubensweg ist. Das Ziel, die Basilika Mariazell mit der berühmten Gnadenstatue der Magna Mater Austriae, empfängt Pilger seit dem 12. Jahrhundert. Der Ankunftsmoment auf dem Hauptplatz von Mariazell, wenn die Doppeltürme der Basilika plötzlich in voller Größe erscheinen, gehört zu den eindrucksvollsten Augenblicken, die ein Wanderweg zu bieten hat – nicht wegen der Dramatik, sondern wegen der schlichten Gewissheit: Ich bin angekommen. Die Pilgerwanderung auf der Via Sacra lässt sich in einzelnen Tagesetappen oder als mehrtägige Gesamtroute planen. Wer sich nur einen Abschnitt vornimmt, kann auch direkt in der Region Mariazell starten und die letzten Etappen mit ihren charakteristischen Wegkapellen und dem Blick auf das Ötscherland erwandern. Geführte Gruppen treffen sich meist am Morgen, beginnen mit einer kurzen Einstimmung und wandern dann gemeinsam durch das Tal der Salza oder über die Höhenrücken des Steirischen Randgebirges. Die Tagesetappen variieren je nach gewähltem Abschnitt zwischen 15 und 25 Kilometern.
Ein Weg, der nicht eilt: Die Via Sacra führt Schritt für Schritt durch stilles Waldland, vorbei an barocken Wegkapellen und über Höhenrücken mit Blick ins Ötscherland. Am Ende wartet die Gnadenkirche Mariazell – ein Ankunftsmoment, der sich durch eigene Beine verdient wird.
