Wer von der Bergstadt Mariazell aus die breite Hauptstraße entlanggeht, sieht sie schon von weitem: die mächtige Barockfassade der Wallfahrtsbasilika Mariä Geburt mit ihren markanten Türmen, die sich gegen den Himmel der Steirischen Alpen abheben. Kein anderer Ort in Österreich hat über Jahrhunderte so viele Menschen aus so unterschiedlichen Kulturen und Ländern angezogen wie dieses Gotteshaus, das seit dem 12. Jahrhundert als spirituelles Zentrum Mitteleuropas gilt.
Den ersten Schritt über die Schwelle der Basilika zu tun, ist ein eigenes Erlebnis. Der barocke Innenraum, den Johann Bernhard Fischer von Erlach im 17. Jahrhundert maßgeblich mitgestaltete, empfängt Besucher mit einer Fülle von Gold, Stuck und Licht. Im Zentrum des Geschehens steht die Gnadenkapelle, die das ursprüngliche romanische Heiligtum beherbergt: die kleine Lindenholzfigur der Magna Mater Austriae, der Großen Mutter Österreichs. Vor dieser Figur haben Habsburger Kaiser ebenso geknieet wie einfache Pilger aus Ungarn, Tschechien, Polen und dem gesamten deutschsprachigen Raum. Die Votivtafeln und Weihegaben, die die Wände der Gnadenkapelle bedecken, erzählen von Jahrhunderten persönlicher Gebete und erhörter Bitten.
Der Rundgang durch die Basilika lohnt sich in aller Ruhe. Die Schatzkammer bewahrt kostbare Kunstwerke, liturgische Gewänder und historische Schenkungen der Habsburger. Wer Zeit mitbringt, sollte auch die Krypta besuchen, in der die Stille besonders eindringlich wirkt. An Wallfahrtstagen, besonders rund um Mariä Geburt am 8. September, verwandelt sich der gesamte Vorplatz in ein Meer aus Kerzen und Prozessionen.
Für Fotografen bietet die Basilika reizvolle Perspektiven: Die Westfassade mit dem zentralen Turm lässt sich vom Hauptplatz aus besonders eindrucksvoll im Gegenlicht der Morgenstunden einfangen. Im Inneren empfiehlt sich ein Stativ für Langzeitbelichtungen, da das Blitzlichtverbot streng eingehalten wird. Wer früh kommt, erlebt die Basilika in einer Stille, die tagsüber kaum noch zu finden ist.