
◆ STADT · ANDALUSIEN
Hoch über der Serranía, dort wo der Guadalevín eine 120 Meter tiefe Wunde in den Fels geschnitten hat, klammert sich Ronda an zwei Felsplateaus. Die Puente Nuevo näht die beiden Hälften zusammen wie eine steinerne Klammer über dem Schwindel. Weiße Häuser drängen bis an die Kante, und wer am Geländer steht, schaut nicht auf eine Aussicht, sondern in einen Riss in der Erde. Ronda ist kein Ort, den man besichtigt. Es ist einer, der einem den Magen umdreht und das Herz weit macht.

El Tajo heißt die Schlucht, schlicht "der Schnitt", und sie erklärt alles an Ronda. Über Jahrtausende hat der Guadalevín das Kalkplateau zerteilt und so eine Stadt geschaffen, die sich nie entscheiden musste, ob sie Festung oder Aussichtsterrasse sein will. Die Mauren nannten sie Izna-Rand-Onda und legten unter dem heutigen Casa del Rey Moro La Mina an, eine Wassermine aus dem frühen 14. Jahrhundert: 231 in den Fels gehauene Stufen führen einen 60-Meter-Schacht hinab bis zum Fluss, damit die Stadt auch in der Belagerung nicht verdurstet. Christliche Sklaven schleppten die Krüge nach oben, Stufe um nasse Stufe.
Die Brücke, die Ronda zum Sinnbild macht, kam erst spät. Ab 1751 türmte man unter Carlos III. Quader übereinander, bis 1793 die Puente Nuevo stand, entworfen von José Martín de Aldehuela, derselbe Architekt, der auch die Stierkampfarena schuf. Der mittlere Bogen spannt sich rund 120 Meter über den Abgrund; in der Kammer über dem Hauptbogen saßen einst Gefangene, manche, so erzählt man, wurden in die Tiefe gestürzt. Schönheit und Schrecken liegen in Ronda immer dicht beieinander, eine Mischung, die Reisende seit jeher elektrisiert hat.
Genau diese Spannung lockte die Schriftsteller. Rainer Maria Rilke verbrachte den Winter 1912/13 im Hotel Reina Victoria am Schluchtrand und nannte Ronda "die Stadt der Träume" – sein Zimmer wird bis heute als kleines Rilke-Museum bewahrt. Ernest Hemingway und Orson Welles verbrachten Sommer in der Altstadt La Ciudad, fasziniert vom Stierkampf und der Freundschaft mit dem Torero Antonio Ordóñez. Welles' Asche wurde auf dessen Landgut bei Ronda beigesetzt. Die Stadt sammelt ihre Bewunderer wie Trophäen – und gibt sie nie ganz wieder her.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel



· Sehenswürdigkeiten
· Aktivitäten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Klassiker
Von der Plaza de España über die Puente Nuevo nach La Ciudad, vorbei am Palacio de Mondragón mit seinen Mudéjar-Höfen und hinab zu den Baños Árabes, den besterhaltenen arabischen Bädern Andalusiens aus der Nasridenzeit. Wer den echten Nervenkitzel sucht, steigt anschließend über den Camino de los Molinos in die Schlucht – von unten wirkt die Brücke wie ein Wunder.
Mythos
Die Plaza de Toros von 1785, gebaut von der Real Maestranza de Caballería, gilt als Wiege des modernen Stierkampfs zu Fuß. Im angeschlossenen Museum hängen die goldbestickten Trajes und Fotos von Ordóñez und Hemingway Seite an Seite. Danach Pause in der Alameda del Tajo, einer Promenade, deren Balkone direkt über dem Nichts schweben.
Genuss
In den Gassen der Carrera Espinel im Mercadillo gibt es vielerorts noch die kostenlose Tapa zur caña. Wer tiefer schmecken will, fährt zu einer Bodega rund um Ronda, etwa Descalzos Viejos in einem ehemaligen Kloster, und verkostet kräftige Rotweine der Herkunft Sierras de Málaga. Dazu rabo de toro, migas und ein serranito-Sandwich.
Umland
Ronda ist das Tor zu den Pueblos Blancos. Setenil de las Bodegas mit seinen in den Fels gebauten Häusern liegt nur rund 20 Minuten entfernt, Grazalema im gleichnamigen Naturpark und der Nationalpark Sierra de las Nieves locken Wanderer. Eine Tagesschleife verbindet zwei, drei Dörfer mit der Heimkehr zur blauen Stunde über der Schlucht.
03 · Wann
Auf 740 Metern atmet Ronda anders als die schwüle Küste. Die Frühlings- und Herbstmonate gehören den Wanderern, der Hochsommer den Mutigen und der Winter den Romantikern, die leere Gassen und Wolken über dem Tajo lieben.
04 · Häufige Fragen
Mit dem Mietwagen sind es über die A-357 und A-367 rund 1,5 Stunden. Direktbusse brauchen etwa 2 Stunden 15 Minuten. Per Zug fährt man mit Renfe meist über den Bahnhof Antequera-Santa Ana; landschaftlich spektakulär ist die Bahnstrecke aus Richtung Algeciras/Bobadilla, die sich durch die Berge windet.
Für die Höhepunkte – Puente Nuevo, Plaza de Toros, Altstadt und einen Blick in die Schlucht – genügt ein gut geplanter Tag, weshalb Ronda ein beliebter Ausflug ab der Costa del Sol ist. Wer in die Schlucht hinabsteigt, eine Bodega besucht oder die weißen Dörfer ringsum sehen will, sollte mindestens eine Nacht bleiben.
Typisch sind rabo de toro (geschmorter Ochsenschwanz in Rotwein), migas (geröstete Brotkrumen mit Knoblauch und Chorizo) und das warme serranito-Sandwich mit Schweinefilet, Serrano-Schinken und gebratener Paprika. Dazu passt ein kräftiger Rotwein der Herkunft Sierras de Málaga aus den Bodegas der Umgebung.
Ja. Vom Stadtteil La Ciudad führt der Camino de los Molinos in die Schlucht hinunter und bietet den berühmtesten Blick auf die Puente Nuevo von unten. Im Casa del Rey Moro steigt man über 231 in den Fels gehauene Stufen der maurischen Wassermine bis fast auf Flussniveau hinab – beides verlangt Trittsicherheit und gutes Schuhwerk.
Die Feria Goyesca de Pedro Romero wird Anfang September gefeiert. Höhepunkt ist die Corrida Goyesca, bei der die Toreros in Kostümen nach Gemälden von Francisco de Goya auftreten. Das Fest geht auf das Jahr 1954 zurück und erinnert an den legendären rondeño-Stierkämpfer Pedro Romero.
Ronda ist das Tor zu den Pueblos Blancos. Nur rund 20 Minuten entfernt liegt Setenil de las Bodegas mit seinen unter Felsüberhängen gebauten Häusern. Grazalema im gleichnamigen Naturpark und der Nationalpark Sierra de las Nieves sind ideal für Wanderer und lassen sich gut zu einer Tagesschleife verbinden.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Ronda.
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