Óbidos liegt nördlich von Lissabon auf einem Hügel und ist eines der besterhaltenen Burgdörfer Portugals. Ein nahezu vollständiger Mauerring umschließt den Ort; oben thront die mittelalterliche Burg, die heute als Pousada Hotelgäste beherbergt. Wer die Stadtmauer begeht, blickt über ein Meer aus kalkweißen Häusern, deren Sockel traditionell gelb und blau gestrichen sind, und auf die umliegende Landschaft der Westregion. Das Herz des Dorfes ist die Rua Direita, die einzige Hauptgasse, die vom getäfelten Stadttor Porta da Vila bis zur romanisch-gotischen Kirche Santa Maria führt. Sie ist gesäumt von kleinen Läden, Galerien und Cafés, von Bougainvillea und Geranien – und überall wird die kirschrote Ginjinha de Óbidos ausgeschenkt, ein süßer Kirschlikör, der hier traditionell in einem kleinen Becher aus dunkler Schokolade serviert wird, den man am Ende mittrinkt. Óbidos verbindet sein historisches Erbe mit lebendiger Kultur. Der Ort trägt den Titel einer UNESCO-Literaturstadt und beherbergt ungewöhnliche Buchhandlungen, die in ehemaligen Kirchen oder Markthallen untergebracht sind, sowie das Literaturfestival Folio. Über das Jahr verteilt verwandeln Veranstaltungen das Dorf: Im Sommer zieht der mittelalterliche Markt mit Gauklern und Rittern durch die Gassen, im Dezember wird der Schlossgraben zum Weihnachtsdorf. Weil Óbidos kompakt und autofrei innerhalb der Mauern ist, lässt es sich gut zu Fuß erkunden und eignet sich hervorragend als Tagesausflug von Lissabon oder als Etappe auf dem Weg in die Westregion. Wer früh kommt oder über Nacht bleibt, erlebt die Gassen in ihrer ruhigsten und stimmungsvollsten Stunde.




