Tavira ist der Gegenentwurf zur lauten, hochhausgesäumten Westalgarve. Hier teilt der Rio Gilão die Stadt in zwei Ufer aus weiß-gelben Bürgerhäusern, verbunden durch eine vielbögige Brücke auf römischen Fundamenten. Auf den Dächern reihen sich die typischen Walmdach-Pyramiden, die telhados de tesoura, die es so nur in Tavira gibt – ein Erbe maurischer und fernöstlicher Handelskontakte. Über der Altstadt thront die maurische Burg, von deren Mauern sich der Blick über ein Meer aus Ziegeldächern, Kirchtürmen und der Ria Formosa öffnet. Tavira gilt als Stadt der Kirchen – Igreja de Santa Maria do Castelo und Igreja da Misericórdia gehören zu den schönsten der Algarve. Durch die Gassen ziehen sich Azulejo-Fassaden, kleine Plätze und Cafés, in denen der Tag entschleunigt. Vor der Stadt beginnt die Lagunenwelt der Ria Formosa: ein Naturpark aus Salzwiesen, Kanälen und Salinen, in denen noch heute Meersalz und die geschätzte Flor de Sal geerntet werden. Flamingos staksen durch die seichten Becken, und über die Lagune führt eine kurze Fährfahrt zur Ilha de Tavira – einer langgestreckten Sandbank mit kilometerweiten, oft fast menschenleeren Stränden. Abends gehört Tavira dem Fluss: An den Ufern und in den Fischrestaurants kommen Thunfisch, gegrillte Sardinen und Muscheln auf den Tisch, dazu ein Glas Vinho Verde. Wer das andere, ursprüngliche Algarve sucht – ohne Bettenburgen, dafür mit Salinen, Geschichte und langen Abenden am Wasser – findet es in Tavira.





