Wer von Mayrhofen aus taleinwärts fährt und dabei die ausgetretenen Wege verlässt, stößt auf die Zillergründe – ein Seitental, das sich mit einer ganz eigenen Ruhe und Ursprünglichkeit präsentiert. Hier enden die großen Touristenströme, und die Landschaft übernimmt das Wort: steile Hänge, rauschende Bäche, weite Almflächen und Gipfel, die je nach Tageszeit in völlig unterschiedlichem Licht erscheinen. Morgens liegt oft noch Nebel in den tieferen Tallagen, während die Bergkuppen bereits in der Sonne leuchten – ein Anblick, der sich in keine Hochglanzbroschüre pressen lässt. Das Tal zieht vor allem jene an, die aktiv unterwegs sein wollen. Wanderwege führen durch dichte Nadelwälder hinauf auf lichtdurchflutete Almen, vorbei an kleinen Almhütten, die im Sommer bewirtschaftet werden und einfache Tiroler Kost anbieten. Wer früh aufbricht, hat die Wege oft für sich allein – ein seltenes Erlebnis in einer Region, die im Hochsommer durchaus gut besucht ist. Im Winter locken die Zillergründe mit einer stillen, unberührten Schneelandschaft, die sich von der Betriebsamkeit der großen Skigebiete rund um Mayrhofen deutlich abhebt. Die Architektur im Tal ist geprägt von alten Bauernhöfen und Almgebäuden, die zeigen, wie das Leben hier über Generationen organisiert war. Landwirtschaft und Almwirtschaft sind keine Kulisse, sondern gelebte Realität – im Sommer treiben Bauern ihr Vieh auf die Höhen, und das Läuten der Kuhglocken gehört zum Klangbild des Tals wie das Rauschen der Bäche. Diese Bodenständigkeit prägt auch die wenigen Gasthäuser und Unterkünfte, die man in den Zillergründen findet: keine großen Hotelkomplexe, sondern familiär geführte Pensionen und Gasthöfe, bei denen man als Gast und nicht als Zimmernummer behandelt wird. Für Radfahrer und Mountainbiker bieten die Wege rund um die Zillergründe anspruchsvolle Touren mit beeindruckenden Ausblicken auf das Zillertal. Auch Kletterbegeisterte finden in der näheren Umgebung lohnende Routen. Die Nähe zu Mayrhofen – und damit zur gesamten Zillertaler Infrastruktur – macht das Tal zu einem idealen Ausgangspunkt, der Rückzug und Erkundung gleichermaßen ermöglicht.

Schlegeis-Stausee
Der Schlegeis-Stausee im Zillertal liegt auf 1782 Metern und zählt zu den eindrucksvollsten Hochgebirgsseen Österreichs – umrahmt von Gletschern und steilen Felswänden.
Begehbare Staumauer mit Panoramablick auf den türkisfarbenen See