Wer Pisa wirklich verstehen will, beginnt im Quartiere Santa Maria. Das Viertel erstreckt sich nördlich des Arno und trägt den Namen der gleichnamigen Kirche, die einst das religiöse Leben dieser Stadtseite prägte. Heute ist es vor allem der Campo dei Miracoli, der Besucher aus aller Welt anzieht – jener weitläufige Rasenplatz, auf dem der Schiefe Turm, der Dom Santa Maria Assunta und das Baptisterium gemeinsam ein Ensemble bilden, das seinesgleichen sucht. Morgens, wenn das Licht noch schräg über den Rasen fällt und die ersten Touristengruppen noch nicht eingetroffen sind, wirkt der Platz fast unwirklich still.
Doch das Quartiere Santa Maria ist mehr als sein bekanntestes Postkartenmotiv. Die engen Gassen zwischen der Piazza dei Cavalieri und dem Lungarno Pacinotti erzählen von einer Stadt, die lange ein Zentrum mittelalterlicher Seefahrt und Handelskultur war. Hier finden sich Palazzi mit verwitterten Fassaden, kleine Werkstätten und Trattorien, in denen Einheimische zu Mittag essen – weit abseits der Touristenströme rund um den Turm. Die Universität Pisa, eine der ältesten Italiens, hat dem Viertel eine lebendige Studentenkultur eingeschrieben: Buchläden, Cafés und kleine Bars beleben die Straßen auch abends.
Die Piazza dei Cavalieri, einst Sitz des Ordens der Ritter des Heiligen Stephan, ist ein weiteres architektonisches Glanzstück des Viertels. Der Palazzo della Carovana mit seiner ungewöhnlichen Sgraffito-Fassade dominiert den Platz und beherbergt heute die Scuola Normale Superiore, eine der renommiertesten Hochschulen Italiens. Abends sitzen Studenten auf den Treppenstufen, während Touristen langsam weiterschlendern – ein Nebeneinander, das dem Viertel seinen besonderen Rhythmus gibt.
Für Reisende, die nicht nur den Turm fotografieren, sondern Pisa wirklich erleben möchten, ist das Quartiere Santa Maria die richtige Wahl. Hotels in unmittelbarer Nähe des Campo dei Miracoli ermöglichen frühe Besuche vor dem großen Andrang. Restaurants in den Seitenstraßen servieren toskanische Küche ohne Aufpreis für die Aussicht. Und wer abends am Lungarno entlangläuft, versteht, warum Pisa mehr ist als ein Zwischenstopp.
Deerpeter (CC BY-SA 4.0) · WikimediaSchiefer Turm von Pisa
Der berühmte schiefe Campanile des Doms, ab 1173 erbaut, der sich schon während der Bauzeit im weichen Schwemmboden zu neigen begann.
Weltberühmter schiefer Campanile des Doms



