Wer von Lech am Arlberg in Richtung Klostertal fährt, erlebt auf dem Flexenpass einen jener Momente, in denen eine Straße selbst zur Sehenswürdigkeit wird. Die Passstraße windet sich in engen Kehren durch eine Landschaft, die zwischen sanften Almwiesen und schroffem Felsgestein wechselt — ein Wechselspiel, das bei jedem Kilometer neue Perspektiven eröffnet. Oben angekommen, auf rund 1.773 Metern Höhe, öffnet sich ein Panorama, das die gesamte Kulisse des Arlbergmassivs umfasst. Der Flexenpass ist kein Aussichtspunkt im klassischen Sinne, mit Plattform und Geländer. Er ist ein Erlebnis, das sich entlang der gesamten Auffahrt entfaltet. Wer anhält — und das sollte man unbedingt tun —, steht plötzlich in einer Stille, die nur der Wind und gelegentlich das Läuten einer Almglocke durchbrechen. Die Felswände der Flexenmauer rahmen die Straße auf der einen Seite ein, während sich auf der anderen Seite das Tal in die Tiefe zieht. Dieser Kontrast macht den Flexenpass zu einem der eindrücklichsten Naturpunkte im Vorarlberger Alpenraum. Im Sommer lockt die Passstraße Radfahrer und Motorradfahrer ebenso wie Wanderer, die von hier aus in das umliegende Wegenetz einsteigen. Die Almlandschaft rund um den Pass ist durchzogen von Pfaden, die zu ruhigen Hochlagen führen, fernab der Talstationen und Liftanlagen. Im Winter hingegen wird der Flexenpass zur zentralen Verbindungsachse zwischen den Skigebieten Lech-Zürs und dem Arlberg — die Straße ist dann schneesicher ausgebaut, aber auch deutlich stärker befahren. Früh aufbrechen lohnt sich: In den Morgenstunden liegt das Licht flach über den Kämmen, die Schatten sind lang, und die Straße gehört einem fast allein. Wer gegen Mittag kommt, teilt den Anblick mit Reisebussen und Tagestouristen. Das Licht am späten Nachmittag ist für Fotografen besonders reizvoll — die westlich ausgerichteten Hänge leuchten dann in warmem Goldton, bevor die Sonne hinter dem Arlbergrücken verschwindet.
Eine kurvenreiche Passstraße mit wechselnden Ausblicken auf Felsformationen, Almwiesen und das Arlbergmassiv. Mehrere natürliche Haltepunkte laden zum Aussteigen ein. Am Pass selbst erwartet Besucher Stille, weite Fernsicht und der Einstieg in das umliegende Wanderwegenetz.
Die Flexenstraße, über die der Flexenpass erschlossen wird, entstand Ende des 19. Jahrhunderts und war eine ingenieurtechnische Meisterleistung ihrer Zeit. Sie ermöglichte erstmals eine verlässliche Verbindung zwischen dem Arlberggebiet und dem Klostertal und legte damit den Grundstein für den Tourismus in Lech und Zürs. Die Straße wurde in den Fels gesprengt und durch aufwendige Galerien vor Lawinen geschützt — einige dieser historischen Schutzbauwerke sind bis heute in Betrieb.
