Wer von der Donau aus auf Melk zuschippert, sieht es schon von Weitem: das Stift auf seinem Felsvorsprung, die Zwillingstürme der Stiftskirche in den Himmel gestreckt, die gelbe Fassade im Licht des Nachmittags leuchtend. Dieser erste Anblick ist kein Zufall – er war so geplant. Die Benediktinermönche, die hier seit dem 11. Jahrhundert leben und wirken, wollten ein Zeichen setzen. Was Jakob Prandtauer ab 1702 in Stein umsetzte, ist bis heute eines der bedeutendsten Barockstifte Europas. Das Innere der Stiftskirche trifft den Besucher mit einer Wucht, auf die man sich kaum vorbereiten kann. Der Kirchenraum öffnet sich in warmen Rottönen, Gold und Fresken, die sich über Gewölbe und Wände ziehen, als hätte jemand den Himmel auf die Erde gemalt. Johann Michael Rottmayr schuf die großformatigen Deckengemälde, die das Leben der Apostel Petrus und Paulus erzählen – die Kirchenpatrone, denen das Gotteshaus geweiht ist. Die Kanzel, die Seitenaltäre, die Chorgestühle: Überall zeigt sich das Können der Handwerker und Künstler, die im frühen 18. Jahrhundert aus ganz Mitteleuropa nach Melk gerufen wurden. Der Besuch beginnt in der Regel mit dem Stiftsmuseum, das durch kaiserliche Gemächer, die berühmte Stiftsbibliothek mit ihren 100.000 Bänden und schließlich in die Kirche selbst führt. Wer diesen Rundgang geht, versteht, warum das Stift Melk 2000 als Teil des UNESCO-Welterbes Wachau ausgezeichnet wurde. Die Bibliothek allein – mit ihren geschwungenen Holzregalen, dem Kerzenlicht-Charakter und dem Globensaal – könnte stundenlang fesseln. Dann öffnet sich die Tür zur Kirche, und der Übergang vom Gelehrten-Raum zur spirituellen Bühne ist kaum zu fassen. Nach dem Kirchenbesuch lohnt der Gang auf die Stiftsterrasse. Von hier aus blickt man über die Donau, die Weinberge der Wachau und die Dächer der Altstadt Melk – ein Panorama, das erklärt, warum dieser Ort seit Jahrhunderten Menschen anzieht. Wer möchte, kann anschließend durch den Stiftsgarten schlendern, der mit seinen Buchsbaumhecken und Brunnen eine ruhige Gegenwelt zum Prunk des Innenraums bildet.
Besucher durchlaufen einen kuratierten Rundgang durch kaiserliche Repräsentationsräume, die historische Stiftsbibliothek und die vollständig erhaltene Barockkirche. Der Weg endet auf der Terrasse mit Blick auf die Donau. Audioguides sind inklusive, der Stiftsgarten lädt nach dem Rundgang zur Erholung ein.
Die Geschichte des Stifts Melk reicht bis ins Jahr 1089 zurück, als Markgraf Leopold II. seinen Babenberger Sitz der Benediktinerkongregation übergab. Im Mittelalter entwickelte sich Melk zu einem bedeutenden Zentrum der Schriftkultur – Mönche kopierten und illuminierten Handschriften, die heute zu den wertvollsten Beständen der Stiftsbibliothek zählen. Der heutige Barockbau entstand ab 1702 unter Abt Berthold Dietmayr nach Plänen von Jakob Prandtauer. Nach Prandtauers Tod 1726 vollendete sein Neffe Josef Munggenast das Werk. Die Deckenfresken schuf Johann Michael Rottmayr, die Stuckarbeiten stammen von Johann Prömer. 2000 wurde das Stift als Teil der Kulturlandschaft Wachau in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
