Wer Villach verstehen möchte, beginnt am Hauptplatz. Nicht weil es sich so gehört, sondern weil dieser Platz seit Jahrhunderten der Taktgeber des städtischen Lebens ist. Schon im Mittelalter versammelten sich hier Händler, Bürger und Reisende – heute flanieren Einheimische zwischen Straßencafés und Geschäften, während Touristen die Fassaden der historischen Bürgerhäuser studieren, die den Platz auf drei Seiten rahmen.
Das Auge wandert unweigerlich zum Stadtpfarrturm der Stadtpfarrkirche St. Jakob, der sich am östlichen Ende des Platzes erhebt. Der freistehende Turm, eines der bekanntesten Wahrzeichen Villachs, lässt sich besteigen – wer die Stufen nicht scheut, wird mit einem Panoramablick über die Dächer der Altstadt und die umliegenden Berge belohnt. Unten, auf dem Pflaster des Hauptplatzes, öffnet sich der Blick auf die Dreifaltigkeitssäule, eine barocke Pestsäule, die an die Überlebenden der Pest erinnert und dem Platz eine nachdenkliche historische Tiefe verleiht.
Die beste Stimmung herrscht am frühen Vormittag, wenn die Marktbeschicker noch aufbauen und das Licht schräg über die Fassaden fällt. Dann ist der Hauptplatz Villach noch nicht überfüllt, und man kann die Proportionen des Platzes wirklich auf sich wirken lassen. An Markttagen verwandelt sich das Pflaster in eine bunte Auslagefläche für regionale Produkte aus Kärnten – Käse, Obst, Honig und Blumen wechseln die Besitzer, während der Geruch von frischem Gebäck aus den umliegenden Bäckereien in der Luft liegt.
Abends verändert der Platz sein Gesicht erneut: Die Beleuchtung taucht die Fassaden in warmes Licht, die Cafés füllen sich, und der Hauptplatz wird zum Treffpunkt für alle Generationen. Wer Villach besucht, sollte sich beide Tageszeiten gönnen – den ruhigen Morgen und den geselligen Abend. Der Eintritt auf den Platz selbst ist kostenlos und zu jeder Tages- und Nachtzeit zugänglich.