Wer in Villach nach einem Ort sucht, der die kulinarische Seele Kärntens wirklich greifbar macht, landet früher oder später im Stadtwirt. Das Restaurant trägt seinen Namen mit Überzeugung: Hier kocht man für die Stadt, für die Stammgäste aus dem Viertel genauso wie für Reisende, die verstehen wollen, warum Kärnten mehr zu bieten hat als Klischeepostkartenidylle.
Die Speisekarte des Stadtwirt Villach liest sich wie eine Liebeserklärung an die Region. Kärntner Kasnudeln – jene handgemachten Teigtaschen mit Bröseltopfen und Minze, die in keiner ernsthaften Kärntner Küche fehlen dürfen – stehen hier nicht als Pflichtübung, sondern als echtes Herzstück auf dem Tisch. Dazu gesellen sich klassisch österreichische Gerichte wie ein sorgfältig zubereitetes Wiener Schnitzel und saisonale Hauptgänge, die zeigen, dass die Küche des Hauses mit den Märkten und der Jahreszeit denkt. Besonders reizvoll ist der friaulische Einschlag, der die geografische Nähe zu Norditalien spürbar macht: Leichtigkeit, Kräuter und eine gewisse mediterrane Offenheit fließen in die österreichische Grundlinie ein, ohne sie zu überschreiben.
Das Ambiente ist das, was man in einer Stadtgaststätte dieser Art erwartet und doch selten so stimmig findet: warm, ohne kitschig zu sein, mit einer Atmosphäre, die Feierabend-Bier genauso wie einen längeren Familiensonntag trägt. Die Holztische, das gedämpfte Licht und der ruhige Geräuschpegel schaffen eine Umgebung, in der man sich Zeit lässt. Wer Villach zu Fuß erkundet und die Drau-Promenade oder die Altstadt besucht hat, findet im Stadtwirt einen natürlichen Abschluss des Tages.
Das Preisniveau ist moderat – man bekommt hier solide, handwerkliche Küche ohne den Aufpreis eines Hotelrestaurants. Für Einheimische ist das selbstverständlich, für Besucher eine angenehme Überraschung. Wer die Stadtwirt Villach Speisekarte vorab studieren möchte, tut gut daran, sich auf saisonale Wechsel einzustellen: Was im Herbst auf dem Teller landet, ist im Frühjahr längst einem neuen Angebot gewichen.