
◆ STADT · ALGARVE
Silves trägt seine Vergangenheit offen. Wo heute ein verschlafenes Städtchen die Hänge über dem Fluss Arade hinaufklettert, lag im Mittelalter Xelb – die Hauptstadt von al-Gharb, dem maurischen Westen, eine Stadt der Dichter und Gelehrten, die es an Glanz mit Córdoba aufnehmen wollte. Geblieben ist die mächtigste Festung dieser Epoche auf portugiesischem Boden: das Castelo de Silves, ein Bollwerk aus rotem Sandstein, dessen Zinnen in der Abendsonne zu glühen scheinen. Darunter staffeln sich Kopfsteingassen, die gotische Sé und das filigrane Cruz de Portugal die Stadt hinab. Wer genug hat von den Strandbuchten der Küste, findet hier die andere Algarve – eine, die nach Orangenblüte und Geschichte riecht, nur eine halbe Autostunde vom Atlantik entfernt.

Lange bevor die Algarve zur Badeküste wurde, war Silves ihr Herz. Unter maurischer Herrschaft, vom 8. bis ins 13. Jahrhundert, war die Stadt – damals Xelb – die Hauptstadt von al-Gharb al-Andalus, dem äußersten Westen der islamischen Welt. Geografen und Dichter rühmten ihre Gärten, Moscheen und Bibliotheken; über einen Hafen am schiffbaren Arade handelte sie mit dem ganzen Mittelmeer. Das Castelo de Silves stammt im Kern aus dieser Zeit, errichtet aus dem rötlichen Sandstein der Umgebung, den sogenannten grês de Silves – und genau dieser Farbton gibt der Burg bis heute ihr warmes, fast glühendes Erscheinungsbild.
1189 eroberten Kreuzfahrer die Stadt für einige Jahre, endgültig fiel sie 1249 an die portugiesische Krone. Silves blieb bedeutend: Es wurde Bischofssitz, und seine gotische Sé war jahrhundertelang die Kathedrale der gesamten Algarve. Doch der Niedergang kam schleichend. Der Arade verschlickte, der Hafen verlor an Bedeutung, und das große Erdbeben von 1755, das Lissabon zerstörte, traf auch Silves schwer. Der Bischofssitz wanderte nach Faro ab, und aus der einstigen Metropole wurde ein Provinzstädtchen.
Im 19. Jahrhundert brachte der Korkhandel kurzzeitig neuen Wohlstand – die Fábrica do Inglês, eine alte Korkfabrik, zeugt noch davon. Heute lebt Silves von seinen Orangen, vom Fluss und von der Geschichte. Wer durch das Burgtor tritt, über die Zinnen schaut und hinab auf die rotbraunen Dächer blickt, versteht, warum dieses Städtchen abseits der Strände zu den eindrücklichsten Orten der Algarve zählt. travelperfect empfiehlt, die Burg am späten Nachmittag zu besuchen, wenn der Sandstein zu leuchten beginnt und sich der erste Schatten in die Gassen legt.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Maurisches Erbe
Der Aufstieg durch die Oberstadt führt vom Manuelinen-Kreuz Cruz de Portugal über die gotische Sé hinauf zur Maurenburg. Hinter den roten Mauern liegen die maurische Zisterne, der Brunnenschacht und ein weiter Blick über die Orangenhaine bis zur Serra de Monchique. Im Museu Municipal de Arqueologia unten in der Stadt erzählt ein zwölf Meter tiefer maurischer Brunnen die Geschichte weiter.
Fluss & Natur
Der Arade verband Silves einst mit dem Meer – und das tut er noch. Von Portimão fahren Ausflugsboote flussaufwärts durch Schilfgürtel und vorbei an alten Salinen bis fast an die Stadtmauern. Wer lieber selbst paddelt, mietet Kajak oder Kanu und gleitet durch eine stille, vogelreiche Flusslandschaft, die kaum jemand mit der Algarve in Verbindung bringt.
Orangen & Genuss
Silves liegt im Zentrum der Orangenregion der Algarve – im Frühjahr steht die ganze Stadt im Duft der Blüten. In den Tascas der Oberstadt kommen Frango Piri-Piri, gegrillter Fisch und Cataplana auf den Tisch, dazu Medronho, der hochprozentige Erdbeerbaum-Schnaps aus der nahen Serra de Monchique. Der Mercado Municipal und die Stände rund um die Brücke liefern die Zutaten.
03 · Wann
Silves liegt im Binnenland und damit windgeschützter als die Küste – das macht den Sommer heißer und Frühjahr wie Herbst besonders angenehm. Die Orangenhaine blühen im Frühjahr, im August zieht die große Feira Medieval rund um die Burg tausende Besucher an. Die Burg lohnt sich zu fast jeder Zeit, am schönsten aber im weichen Licht des späten Nachmittags.
04 · Häufige Fragen
Sehr, wenn man mehr von der Algarve sehen will als Strände. Silves war die maurische Hauptstadt der Region und besitzt mit dem Castelo de Silves die größte und besterhaltene Maurenburg Portugals. Dazu kommen die gotische Sé, das Manuelinen-Kreuz Cruz de Portugal und eine stimmungsvolle Oberstadt aus rotem Sandstein. Ein halber bis ganzer Tag reicht, um das Wesentliche zu sehen – ideal als Tagesausflug von der Küste.
Am einfachsten per Mietwagen: Von Portimão sind es rund 20 Minuten, von Albufeira oder Lagos je etwa 30–40 Minuten über die A22. Silves liegt zudem an der Algarve-Bahnlinie zwischen Lagos und Faro, der Bahnhof allerdings rund 2 km außerhalb im Tal. Besonders schön ist die Anreise per Ausflugsboot, das von Portimão den Fluss Arade hinauffährt.
Für Burg, Sé, Cruz de Portugal und einen Bummel durch die Oberstadt reicht ein halber Tag. Wer zusätzlich das Archäologie-Museum besucht, in einer Tasca einkehrt und eine Arade-Bootsfahrt einplant, füllt gut einen ganzen Tag. Als Übernachtungsort eignet sich Silves vor allem für Reisende, die das ruhige Binnenland dem Strandtrubel vorziehen.
Silves liegt im Orangen- und Korkland der zentralen Algarve. In den Tascas der Oberstadt gibt es portugiesische Klassiker: Frango Piri-Piri (scharfes Grillhähnchen), gegrillten Fisch, Cataplana mit Meeresfrüchten und herzhafte Eintöpfe. Als Digestif gehört der Medronho dazu, ein hochprozentiger Schnaps aus den Früchten des Erdbeerbaums aus der nahen Serra de Monchique.
Frühjahr (April–Juni) und Herbst (September–Oktober) sind ideal: mild, mit blühenden oder reifenden Orangenhainen und der Burg ohne Sommerhitze. Da Silves im windgeschützten Binnenland liegt, kann der Hochsommer mit über 35 °C anstrengend werden – dann lohnt der Besuch am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Im August findet die große Feira Medieval rund um die Burg statt.
05 · In der Nähe
Sagen Sie uns, worauf Sie Lust haben — wir planen Ihre Tage in Silves und der Algarve.
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