Belém liegt am westlichen Ufer des Tejo, dort wo Lissabon zum offenen Wasser hin auseinandertritt. Von hier brachen im 15. und 16. Jahrhundert die portugiesischen Seefahrer auf, allen voran Vasco da Gama, dessen Reise nach Indien den Reichtum prägte, der sich bis heute in den Bauwerken des Viertels spiegelt. Belém ist deshalb weniger ein gewöhnlicher Stadtteil als ein an den Fluss gereihtes Freilichtmuseum der portugiesischen Geschichte.
Im Zentrum steht das Mosteiro dos Jerónimos, ein Meisterwerk der manuelinischen Gotik und UNESCO-Welterbe. Seine fein gemeißelten Kreuzgänge, das Schiff der Kirche und die Gräber von Vasco da Gama und des Dichters Luís de Camões gehören zu den eindrucksvollsten Räumen Lissabons. Wenige Schritte entfernt erhebt sich am Wasser der Torre de Belém, ein zierlicher Wehrturm aus dem 16. Jahrhundert, der einst die Hafeneinfahrt bewachte und ebenfalls zum Welterbe zählt. Dazwischen erinnert das Padrão dos Descobrimentos, das Denkmal der Entdeckungen, mit seiner steinernen Prozession von Seefahrern an Portugals maritime Epoche.
Belém ist aber auch ein Ort der Sinne. In der Fábrica dos Pastéis de Belém werden seit 1837 die original Pastéis de Belém nach einem geheimen Klosterrezept gebacken – warm, mit Zimt und Puderzucker bestreut, gehören sie zu den unverwechselbaren Geschmackserinnerungen Lissabons. Wer mehr Zeit mitbringt, findet hier zudem gleich mehrere Museen, vom MAAT für Kunst und Architektur am Flussufer bis zum Kutschenmuseum und dem Tropischen Garten.
Weite Uferpromenaden, gepflegte Grünanlagen und der Blick über den Tejo machen Belém zu einem ruhigeren Gegenstück zu den dicht gedrängten Altstadtvierteln im Zentrum. Man kommt für die großen Monumente, bleibt aber gern für einen langen Spaziergang am Wasser und ein zweites Pastel.