Wer Silves zum ersten Mal sieht, versteht sofort, warum die Mauren diesen Ort zu ihrer Hauptstadt machten: Auf einem Hügel über dem Fluss Arade staffeln sich rote Dächer den Hang hinauf, gekrönt von der Castelo de Silves – der größten und besterhaltenen Maurenburg Portugals. Ihr rostbrauner Sandstein glüht in der Abendsonne förmlich, und von den Zinnen schweift der Blick über Orangenhaine bis zu den Hügeln der Serra de Monchique. Im Mittelalter, als die Stadt noch Xelb hieß, maß sie sich an Glanz mit Lissabon und Córdoba – ein Zentrum der Dichtung, des Handels und der Gelehrsamkeit. Davon zeugt nicht nur die Burg mit ihrer riesigen Zisterne, sondern auch die gotische Kathedrale Sé, die direkt auf den Fundamenten der einstigen Moschee errichtet wurde. Etwas tiefer am Flussufer steht das filigrane Manuelinen-Kreuz Cruz de Portugal, eines der schönsten spätgotischen Steinkreuze des Landes. Durch die Altstadt führen schmale Kopfsteingassen, in denen kleine Cafés und Handwerksläden stecken. Über die mittelalterliche Brücke spannt sich der Weg ans andere Arade-Ufer, und im Sommer verwandelt das Festival da Idade Média die ganze Stadt in einen mittelalterlichen Markt mit Rittern, Musik und Feuershows. Ringsum dehnen sich Orangen- und Korkeichenhaine, deren Blütenduft im Frühjahr durch die Gassen zieht. Von der Küste mit ihren berühmten Felsbuchten ist Silves nur eine halbe Autostunde entfernt, doch hier ticken die Uhren langsamer. Wer das andere Algarve sucht – Geschichte zum Anfassen, ein Glas frisch gepressten Orangensaft auf einem stillen Platz – ist in dieser Stadt am Arade genau richtig.



