◆ STADT · ARAGONIEN
Vier Kuppeln über dem Strom, ein Maurenpalast hinter Festungsmauern, römische Bäder unter dem Pflaster: Zaragoza trägt zweitausend Jahre wie selbstverständlich übereinander. Die Hauptstadt Aragoniens liegt genau auf halbem Weg zwischen Madrid und Barcelona, am breiten Ufer des Ebro, und bleibt doch erstaunlich unentdeckt. Wer hier ankommt, findet eine Großstadt ohne Touristendrang, mit Tapas-Gassen, die erst nach Einbruch der Dunkelheit erwachen, und einem Licht, das der Lokalheld Goya in seine Fresken bannte.
Bevor Rom kam, lag am Ebro ein iberisches Dorf namens Salduie. Im Jahr 14 vor Christus gründete Kaiser Augustus hier eine Veteranenkolonie und gab ihr seinen Namen: Caesaraugusta, der einzige römische Stadtname, der die kaiserliche Tria Nomina vollständig trägt. Aus diesem Wort schliffen erst die Westgoten, dann die Mauren ihre eigene Version – Saraqusta – bis daraus das heutige Zaragoza wurde. Die Stadt ist also kein Palimpsest, sondern eine fortlaufende Erzählung: Unter der Plaza de la Seo liegt das antike Forum, daneben stehen die maurischen Mauern der Aljafería, und über allem wölben sich die barocken Kuppeln des Pilar.
Genau diese Schichtung macht Zaragoza so eigen. In keiner anderen spanischen Stadt liegen vier römische Museen – Forum, Thermen, Flusshafen und das prachtvoll erhaltene Theater – so dicht beieinander wie hier entlang der Ruta de Caesaraugusta. Und während Córdoba und Sevilla das maurische Erbe für sich beanspruchen, gilt die Aljafería als der bedeutendste Taifa-Palast nördlich von Andalusien, ein Bau aus dem 11. Jahrhundert, dessen filigrane Stuckbögen heute das Regionalparlament der Cortes de Aragón umrahmen.
Dazu kommt ein Sohn der Region, der die Kunstgeschichte umpflügte: Francisco de Goya, geboren 1746 im nahen Fuendetodos, lernte in Zaragoza und hinterließ in einer der Kuppeln des Pilar das Fresko Regina Martyrum – ein frühes Werk, in dem der spätere Hofmaler und Chronist der spanischen Abgründe schon aufblitzt. Wer seine Spur sucht, findet sie im Museo Goya ebenso wie in der stillen Cartuja Aula Dei am Stadtrand.
01 · Auf einen Blick
· Stadtviertel
· Sehenswürdigkeiten
· Entdecken & Buchen
02 · Was tun
Antike
Vier archäologische Museen verbinden die Reste der Römerstadt: das Forum unter der Plaza de la Seo, die Thermen mit ihrem Säulenbecken, der Flusshafen am alten Ebro-Kai und schließlich das Teatro Romano, das am besten erhaltene Monument der Antike in der Stadt. Ein Kombiticket führt chronologisch durch das Leben in Caesaraugusta.
Glaube & Stein
Einer der größten Fußgängerplätze Europas, flankiert von drei Schwergewichten: der barocken Basílica del Pilar mit Goyas Fresken und Damián Forments Altar, der Kathedrale La Seo mit ihrer Mudéjar-Fassade und flämischen Wandteppichen sowie der Renaissance-Börse La Lonja von 1541 unter Sterngewölben.
Al-Andalus
Hinter wuchtigen Festungsmauern verbirgt sich der schönste islamische Palast Spaniens außerhalb Andalusiens. Hufeisenbögen, ein goldener Thronsaal und der Orangenhofgarten erzählen vom Taifa-Reich des 11. Jahrhunderts – heute teilt sich die Pracht den Raum mit dem aragonesischen Regionalparlament.
Genuss
Ein Geflecht enger Gassen rund um die Calle Estébanes und Libertad, wo jede Bar ihre eigene Spezialität pflegt: gegrillte Champiñones, ternasco vom Lamm, borrajas mit Kartoffeln. Dazu ein Glas Somontano aus den aragonesischen Weinbergen. Man wandert von Theke zu Theke, ein Bissen, ein Schluck, weiter.
03 · Wann
Zaragoza liegt im trockenen Becken des Ebro und hat ein kontinental geprägtes Mittelmeerklima: heiße, sonnige Sommer und kühle Winter, immer wieder durchpustet vom Cierzo, jenem trockenen Nordwestwind, der die Aragonesen prägt und die Sommernächte erträglich macht. Frühling und Frühherbst sind die ideale Reisezeit.
04 · Häufige Fragen
Zaragoza ist vor allem für die barocke Basílica del Pilar mit ihren Goya-Fresken bekannt, für das außergewöhnlich dichte römische Erbe der einstigen Stadt Caesaraugusta sowie für die Aljafería, den bedeutendsten maurischen Taifa-Palast nördlich Andalusiens. Hinzu kommen die Tapas-Gassen des Tubo und die Lage am Ebro auf halbem Weg zwischen Madrid und Barcelona.
Am bequemsten mit dem AVE-Hochgeschwindigkeitszug: Zaragoza liegt direkt an der Strecke Madrid–Barcelona, von beiden Städten erreicht man den Bahnhof Zaragoza-Delicias in jeweils rund anderthalb Stunden. Der Flughafen Zaragoza (ZAZ) liegt etwa 10 km westlich des Zentrums und wird von einigen europäischen Verbindungen angeflogen.
Ideal sind der Frühling, besonders der Mai, sowie der Zeitraum von Mitte September bis Mitte Oktober – dann ist das Wetter mild (rund 20–28 °C) und angenehm. Die Sommer sind sehr heiß und können bei Hitzewellen 39–40 °C erreichen; der Winter ist kühl und mitunter windig.
Unbedingt. Die Aljafería aus dem 11. Jahrhundert gilt als schönster islamischer Palast Spaniens außerhalb Andalusiens und zeigt mit ihren filigranen Hufeisenbögen und Stuckarbeiten die Hochkunst des Taifa-Reichs. Sie liegt etwas außerhalb der Altstadt und beherbergt heute auch das Regionalparlament der Cortes de Aragón.
Zur aragonesischen Küche gehören ternasco de Aragón (zartes Lamm aus dem Ofen), migas (gebratene Brotkrumen), borrajas (Borretsch mit Kartoffeln) und allerlei Tapas, am besten im Tubo-Viertel von Bar zu Bar verkostet. Dazu passt ein Wein aus dem nahen Anbaugebiet Somontano.
Die Fiestas del Pilar sind das große Stadtfest zu Ehren der Schutzpatronin, der Virgen del Pilar, und finden jedes Jahr Mitte Oktober statt. Höhepunkt ist die Ofrenda de Flores, bei der Tausende in Tracht Blumen vor der Basilika niederlegen; dazu kommen Umzüge, Konzerte und Feuerwerk – eine Woche, in der die ganze Stadt feiert.
05 · In der Nähe
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