Wer Klagenfurt wirklich verstehen will, beginnt am Alten Platz. Nicht am Bahnhof, nicht am Wörthersee – sondern hier, wo die Stadt seit dem Mittelalter ihren Herzschlag hat. Der längliche Platz erstreckt sich zwischen prächtigen Barockfassaden und erzählt auf jedem Quadratmeter von Jahrhunderten Stadtgeschichte. Die Häuser stehen dicht an dicht, ihre Fassaden in Ocker, Gelb und Weiß, und wer genau hinschaut, entdeckt Wappen, Erker und steinerne Details, die längst vergangene Bürgergeschlechter hinterlassen haben.
Das Stadthaus am Alten Platz ist eines der markantesten Gebäude des Ensembles. Sein barocker Charakter prägt das Erscheinungsbild des Platzes ebenso wie die Dreifaltigkeitssäule, die als steinernes Denkmal mitten im Platzgefüge steht und an die Pestzeit erinnert – eine Geste der Dankbarkeit, wie man sie in vielen österreichischen Städten findet, hier aber besonders würdevoll in Szene gesetzt. Der Platz selbst ist autofrei und lädt zum Flanieren ein, ohne dabei je den Charakter eines touristischen Freilichtmuseums anzunehmen.
Am Morgen gehört der Alte Platz noch den Klagenfurtern selbst: Café-Gäste nehmen die ersten Plätze draußen ein, Pendler queren den Platz mit schnellem Schritt, und die Fassaden glänzen im frühen Licht besonders warm. Im Laufe des Vormittags füllt sich das Bild, Besucher aus aller Welt mischen sich unter die Einheimischen, und die Gastgärten der umliegenden Lokale werden belebt. Abends verändert sich die Stimmung erneut: Wenn die Beleuchtung die Barockfassaden in warmes Licht taucht, wirkt der Alte Platz wie eine Kulisse aus einem anderen Jahrhundert.
Der Platz ist nicht nur ein Ort zum Durchqueren, sondern ein Ausgangspunkt. Von hier aus sind der Landhaushof mit seinem berühmten Lindwurmbrunnen sowie die Kramergasse und der Neue Platz in wenigen Gehminuten erreichbar. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt in den Durchgängen und Innenhöfen der Bürgerhäuser stille Winkel, die vom Trubel des Platzes nichts ahnen lassen.