Wer von Bad Aussee aus die schmale Straße Richtung Norden nimmt, dem öffnet sich nach wenigen Kilometern ein Tal, das die Zeit scheinbar anders misst. Altaussee ist kein Ferienort, der sich anstrengt zu gefallen – es ist einfach da, mit seinem spiegelklaren See, den wuchtigen Kalkwänden des Toten Gebirges im Rücken und einer Stille, die man in der Region kaum erwartet. Das Dorf hat eine bemerkenswerte Geschichte: Jahrhundertelang wurde hier Salz abgebaut, und die Altausseer Saline prägte das Leben der Bewohner über Generationen hinweg. Noch heute ist das Salzbergwerk Altaussee ein zentrales Ausflugsziel – bekannt auch dafür, dass gegen Ende des Zweiten Weltkriegs dort geraubte Kunstschätze eingelagert wurden, darunter Werke von Michelangelo und Jan van Eyck. Diese Geschichte ist nicht nur spannend für Kulturinteressierte, sie verleiht dem Ort eine Tiefe, die man beim ersten Spaziergang am Seeufer noch gar nicht ahnt. Der Altausseer See selbst ist einer der saubersten Bergseen der Steiermark. Im Sommer lädt das kristallklare Wasser zum Schwimmen ein, Ruderboote schaukeln träge vor dem Seestrand, und am frühen Morgen liegt der See unter einer dünnen Nebelschicht, bevor die Sonne über den Loser steigt – dem markanten Gipfel, der das Tal von Norden überblickt. Eine Straße führt auf den Loser hinauf, von wo aus sich das Ausseerland wie eine Reliefkarte entfaltet. Altaussee war lange ein Rückzugsort für Künstler, Schriftsteller und das großbürgerliche Wien. Hugo von Hofmannsthal verbrachte hier Sommer, und die Villen rund um den See erzählen von einer mondänen Vergangenheit, die sich mit dem bäuerlichen Salzkammergut-Charakter auf eigentümliche Weise verbunden hat. Heute ist das Dorf bei Wanderern, Ruhesuchenden und Kulturtouristen gleichermaßen beliebt – ohne dabei sein Gesicht verloren zu haben.

Salzbergwerk Altaussee
Im Salzbergwerk Altaussee bei Bad Aussee fahren Besucher tief in den Sandling-Berg ein – zu Salzseen, einer historischen Kapelle und der Geschichte der geretteten Kunstschätze.
Einfahrt in den Sandling-Berg im traditionellen Bergmannskittel