Wer die Krimmler Wasserfälle zum ersten Mal sieht, versteht sofort, warum sie seit Jahrhunderten Menschen aus ganz Europa hierher ziehen. In drei mächtigen Stufen stürzt die Krimmler Ache insgesamt 380 Meter in die Tiefe – mehr Fallhöhe als jeder andere Wasserfall auf dem Kontinent. Schon von Weitem ist das dumpfe Donnern zu hören, bevor der erste Blick auf die weiße Gischt fällt, die sich wie ein Schleier über den Wald legt. Der Wasserfall-Wanderweg führt in etwa zwei Stunden an allen drei Stufen vorbei, immer nah am Wasser, immer im feinen Sprühnebel. Die erste Stufe empfängt Besucherinnen und Besucher mit voller Wucht: Das Wasser bricht über einen dunklen Felsvorsprung und erzeugt einen Lärm, der Gespräche unmöglich macht. Weiter oben, an der zweiten Stufe, öffnet sich der Wald und gibt den Blick auf das gesamte Krimmltal frei. Die dritte Stufe schließlich, die ruhigste der drei, entlässt den Wanderer in eine fast meditative Stille – der Kontrast zum Auftakt ist bemerkenswert. Wer bis ganz nach oben geht, erreicht das Krimmler Tauernhaus auf 1.622 Metern und kann von dort weiter ins Obersulzbachtal wandern. Der Weg selbst ist gut ausgebaut, aber durchaus fordernd: Rund 400 Höhenmeter sind zu überwinden, das Gelände ist stellenweise steil und feucht. Festes Schuhwerk ist keine Empfehlung, sondern eine Notwendigkeit. Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte die Geländer konsequent nutzen und die Kleinen nah bei sich behalten – der Weg führt immer wieder direkt an steilen Abbrüchen vorbei. Die Wasserfälle liegen im Nationalpark Hohe Tauern, dem größten Nationalpark der Alpen, und sind Teil eines weitläufigen Schutzgebiets, das Steinböcke, Gämsen und Steinadler beheimatet. Wer früh morgens aufbricht, hat gute Chancen, die Tierwelt zu beobachten, bevor der Besucherstrom einsetzt. Zell am See als Ausgangspunkt liegt rund 60 Kilometer östlich von Krimml und ist über die Salzachtal-Bundesstraße oder mit der Pinzgauer Lokalbahn bequem erreichbar.
Ein fordernder, aber lohnender Wanderweg an drei gewaltigen Wasserfallstufen entlang. Intensiver Sprühnebel, donnernde Geräuschkulisse und weite Ausblicke ins Krimmltal wechseln sich ab. Am Ende wartet das Krimmler Tauernhaus auf 1.622 Metern.
Die Krimmler Wasserfälle wurden bereits im 19. Jahrhundert von Alpinisten und Malern der Romantik besucht und beschrieben. Der organisierte Tourismus begann im späten 19. Jahrhundert, als der erste Wanderweg entlang der Stufen angelegt wurde. Seit 1981 liegen die Wasserfälle im Nationalpark Hohe Tauern, dem ersten und größten Nationalpark Österreichs, der heute zum Schutz der einzigartigen Hochgebirgslandschaft der Zentralalpen beiträgt.
