Wer den Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel zum ersten Mal betritt, begreift schnell, dass hier andere Maßstäbe gelten. Keine Berggipfel, keine Wasserfälle – stattdessen eine fast unwirkliche Weite: flache Salzlacken, die im Morgenlicht silbern glänzen, endlose Schilfflächen, die im Wind rauschen, und ein Horizont, der sich so weit erstreckt, dass man meint, die Erdkrümmung zu spüren. Der Neusiedler See ist der westlichste Steppensee Europas und das Herzstück eines grenzüberschreitenden Nationalparks, der sich von Österreich bis ins ungarische Fertő-Hanság erstreckt. Gemeinsam bilden beide Teile ein UNESCO-Welterbe – eine Auszeichnung, die dem Ort gerecht wird. Die Landschaft des Seewinkels lebt von ihren Kontrasten. Zwischen April und Oktober verwandeln sich die flachen Salzlacken – Lacken wie die Lange Lacke oder die Zicklacke – in belebte Rastplätze für Zehntausende Zugvögel. Löffler, Seidenreiher, Stelzenläufer und der seltene Säbelschnäbler gehören zu den Stars dieser Region. Wer früh morgens mit dem Fernglas an einem der Beobachtungsstände steht, erlebt eine Stille, die nur vom Ruf der Vögel unterbrochen wird – ein Erlebnis, das sich kaum in Worte fassen lässt. Der Nationalpark ist keine gesperrte Wildnis, sondern ein Ort, der zum aktiven Erkunden einlädt. Gut ausgeschilderte Radwege führen durch den Seewinkel, vorbei an Weingärten und alten Pussta-Landschaften. Das Nationalparkzentrum in Illmitz bietet Ausstellungen, geführte Exkursionen und praktische Orientierung für Erstbesucher. Von dort aus lassen sich die wichtigsten Lacken in wenigen Kilometern per Rad oder zu Fuß erreichen. Wer tiefer in die Schilf- und Wasserwelt des Sees vordringen möchte, bucht eine Bootsfahrt – eine völlig andere Perspektive auf dieses außergewöhnliche Ökosystem. Auch die Kulturlandschaft gehört zum Erlebnis: Die umliegenden Dörfer wie Illmitz und Apetlon sind geprägt von burgenländischer Weinbautradition. Nach einer langen Wanderung oder Radtour lässt sich der Tag mit einem Glas Welschriesling aus der Region ausklingen – eine Verbindung von Natur und Genuss, die den Seewinkel so besonders macht.
Weite, flache Landschaft mit Salzlacken, Schilfflächen und offenem Himmel. Beobachtungsstände an den Lacken, gut markierte Rad- und Wanderwege sowie das Nationalparkzentrum Illmitz als Ausgangspunkt. Ruhe, Vogelstimmen und eine fast meditative Weite prägen das Erlebnis.
Der Nationalpark Neusiedler See–Seewinkel wurde 1993 auf österreichischer Seite gegründet und gemeinsam mit dem ungarischen Nationalpark Fertő-Hanság im Jahr 2001 als grenzüberschreitendes UNESCO-Welterbe anerkannt. Der Neusiedler See selbst ist geologisch einzigartig: Als flacher Steppensee ohne natürlichen Abfluss schwankt sein Wasserstand erheblich – historisch ist er sogar mehrfach vollständig ausgetrocknet. Die Kulturlandschaft des Seewinkels wurde über Jahrhunderte durch extensive Landwirtschaft und Weinbau geprägt, was die charakteristische Offenheit der Landschaft und den Artenreichtum der Salzlacken bis heute erhält.
