Wer durch das schmale Tor in die Altstadt Dürnstein tritt, betritt eine der am besten erhaltenen mittelalterlichen Kleinstädte Österreichs. Die Hauptgasse – kaum breiter als eine Kutsche – schlängelt sich zwischen Renaissance- und Barockfassaden hindurch, deren Blau, Ocker und Weiß im Nachmittagslicht leuchten. Über allem thront die markante blaue Türme der Stiftskirche Dürnstein, eines der bedeutendsten Barockbauwerke der Wachau, das schon von weitem über die Donau grüßt. Das Viertel ist kompakt, aber keineswegs leer: In den Kellergewölben alter Bürgerhäuser lagern Weine aus den Rieden der Wachau, Winzer öffnen ihre Heurigen, und in den Gasthäusern entlang der Hauptgasse dampft Marillenknödel auf dem Teller. Die Marille – die Wachauer Aprikose – ist hier kein Marketingbegriff, sondern Alltag: als Marmelade im Frühstückskorb, als Schnaps im Stamperl, als Füllung in frischen Mehlspeisen. Über der Altstadt, auf einem Felssporn hoch über der Donau, liegen die Ruinen der Kuenringerburg, in der Richard Löwenherz im Winter 1192/93 gefangen gehalten wurde. Der Aufstieg dauert rund 20 Minuten und belohnt mit einem Panorama über die Weinberge und den Donaulauf, das sich in keiner Postkarte vollständig einfangen lässt. Wer früh aufbricht, erlebt die Burg im Morgennebel – die Stille gehört dann fast allein einem. Dürnsteins Altstadt ist kein Freilichtmuseum, sondern ein lebendiger Ort. Winzer, Gastwirte und Kunsthandwerker arbeiten hier, Schiffe der Donaukreuzfahrten legen an, und dennoch bewahrt das Viertel eine Ruhe, die größere Touristenstädte längst verloren haben. Für Weinliebhaber, Kulturreisende und alle, die eine Donauradtour mit Geschichte verbinden wollen, ist diese Altstadt ein echter Ankerpunkt in der Wachau.

Stift Dürnstein
Das Augustiner-Chorherrenstift Dürnstein thront über der Donau und beeindruckt mit seinem charakteristischen blauen Barockturm, der zum Wahrzeichen der Wachau wurde.
Ikonischer blau-weißer Barockturm — Wahrzeichen der gesamten Wachau