Wer Leoben verstehen will, beginnt am Hauptplatz. Nicht weil es sich so gehört, sondern weil dieser weitläufige Barockplatz tatsächlich der Ort ist, an dem die Stadt ihre Geschichte am deutlichsten zeigt. Die geschwungenen Fassaden der Bürgerhäuser, der Alte Turm als steinernes Wahrzeichen und das Hacklhaus mit seiner prachtvollen Barockfassade – all das fügt sich zu einem Ensemble zusammen, das man in dieser Geschlossenheit in der Steiermark selten findet.
Der Platz öffnet sich großzügig, ohne pompös zu wirken. Entlang der Randbebauung reihen sich historische Stadthäuser aneinander, deren Erdgeschosse heute Cafés, Geschäfte und Gasthäuser beherbergen. Mittendrin steht der Pestsäule aus dem 17. Jahrhundert – ein stilles Zeugnis der Stadtgeschichte, das die meisten Besucher zunächst übersehen, das aber beim näheren Hinschauen viel erzählt. An Markttagen verwandelt sich der Platz: Händler aus der Region bauen ihre Stände auf, der Geruch von frischem Brot und Käse liegt in der Luft, und die Leobener Stadtgesellschaft trifft sich zum Einkaufen und Reden.
Das Hacklhaus, eines der bedeutendsten Barockbürgerhäuser Österreichs, zieht den Blick unweigerlich auf sich. Seine reich gegliederte Fassade mit dem charakteristischen Portal ist ein Fixpunkt für jeden, der den Platz durchquert. Gegenüber erhebt sich der Stadtturm, der sogenannte Alte Turm, dessen Silhouette das Panorama des Hauptplatzes prägt und von dem aus sich früher Wächter über die Stadt erstreckten.
Besonders eindrucksvoll ist der Hauptplatz in den frühen Morgenstunden, wenn das Licht flach über die Fassaden fällt und die Schatten der Erker lange Muster auf das Pflaster zeichnen. Dann gehört der Platz noch den Einheimischen – den ersten Café-Gästen, den Markthändlern beim Aufbau, den Passanten auf dem Weg zur Arbeit. Wer die Atmosphäre ohne Gedränge erleben möchte, kommt an einem Werktag vor zehn Uhr. Abends, wenn die Fassaden sanft beleuchtet sind, entfaltet der Platz eine ganz andere Qualität: ruhiger, fast kontemplativer.