Wer Sankt Pölten abseits der Fußgängerzone erkunden will, sollte früh morgens ans Traisenufer gehen. Wenn der Fluss noch im Dunst liegt und die ersten Jogger die Uferpromenade entlangziehen, zeigt dieses Viertel seinen eigentlichen Charakter: entspannt, lebendig und mit einem deutlichen Gespür für das Neue. Die Traisen selbst ist hier nicht bloß Kulisse, sondern Mittelpunkt – ihr Ufer strukturiert den Alltag der Menschen, die in diesem Teil der niederösterreichischen Landeshauptstadt wohnen und arbeiten. Das Traisenufer hat in den vergangenen Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Was einst von Industriebauten und brachliegenden Flächen geprägt war, ist heute ein Stadtquartier, das Architektur, Kultur und Freizeitangebote zusammenbringt. Der Regierungsviertel-Komplex mit dem Landhaus Niederösterreich und dem Klangturm liegt in unmittelbarer Nähe und gibt dem Uferbereich eine architektonische Rahmung, die man so in österreichischen Mittelstädten selten findet. Der Klangturm – ein schlankes Wahrzeichen mit Aussichtsplattform – lässt sich vom Ufer aus schon von Weitem erkennen und orientiert Besucher zuverlässig. Entlang des Ufers selbst wechseln sich begrünte Promenadeabschnitte mit Plätzen ab, auf denen im Sommer das gesellige Leben stattfindet. Cafés und Gastronomiebetriebe haben sich hier angesiedelt, und an warmen Abenden sitzen die Leute draußen, während das Licht der untergehenden Sonne auf dem Wasser liegt. Das ist kein inszeniertes Stadtmarketing, sondern gelebter Alltag. Für Familien bieten die Grünflächen am Ufer ausreichend Raum; für Kulturinteressierte ist das nahe Landesmuseum Niederösterreich ein konkreter Anlaufpunkt, der mit wechselnden Ausstellungen zur Natur- und Landesgeschichte überzeugt. Das Viertel spricht ein breites Publikum an: Architekturbegeisterte kommen wegen des Regierungsviertels, Naturfreunde wegen des Flussufers, und wer einfach nur einen Nachmittag in Sankt Pölten verbringen möchte, findet hier eine Atmosphäre, die weit weniger touristisch aufgeladen ist als die historische Altstadt – und gerade deshalb authentisch wirkt.
