Wer Mörbisch am See besucht, kommt an den Hofgassen nicht vorbei. Dieses Viertel verkörpert das, wofür das Dorf am westlichen Ufer des Neusiedler Sees seit Generationen bekannt ist: eine Baukultur, die ihresgleichen sucht. Die charakteristischen, weiß gekalkten Häuser mit ihren offenen Vorhöfen – den namensgebenden Hofgassen – reihen sich wie Perlen einer Kette aneinander und erzählen von einer Lebensweise, die tief in der pannonischen Landschaft verwurzelt ist. Die Gassen selbst sind keine gewöhnlichen Straßen. Zwischen den Häusern öffnen sich Durchgänge zu begrünten Innenhöfen, in denen früher Weinbauern ihr Gerät lagerten und ihre Familien lebten. Heute sind viele dieser Höfe liebevoll restauriert; Sonnenstühle und Weinstöcke ersetzen Pflug und Fass. An einem ruhigen Vormittag, wenn das Licht flach über den See fällt und die Mauern fast leuchten, spürt man, dass die Zeit hier ein anderes Tempo hat. Das Viertel liegt unweit des Seeufers und der berühmten Seebühne Mörbisch, auf der alljährlich die Mörbischer Seefestspiele stattfinden. Wer abends nach einer Vorstellung durch die Hofgassen schlendert, erlebt das Dorf in seiner stillen, fast intimen Seite: Laternen werfen warmes Licht auf die weißen Fassaden, aus offenen Fenstern dringt leiser Gesprächslärm, und der Geruch von frisch gekochtem Gulasch oder gebratenem Fisch liegt in der Luft. Für Fotografen, Architekturinteressierte und alle, die das authentische Burgenland abseits der großen Touristenströme suchen, ist Hofgassen ein lohnendes Ziel. Die Kombination aus historischer Bausubstanz, dem nahen Schilfgürtel des Neusiedler Sees und der entspannten Atmosphäre eines kleinen Weinbaudorfes macht dieses Viertel zu einem Ort, den man nicht vergisst – und der sich bei jedem Besuch neu erschließt.

Hofgassen Mörbisch
Die historischen Hofgassen von Mörbisch am See sind ein einzigartiges Ensemble burgenländischer Dorfarchitektur direkt am Neusiedler See.
Authentische burgenländische Hofgassenarchitektur aus mehreren Jahrhunderten